Produktion

Innovative Lernvideos mit einem Lightboard gestalten

Sandra HildebrandAmberg-Weiden, Dezember 2021 -  Lightboard-Videos bilden in der Gruppe der Lehrvideos einen noch jungen Typus der Erklärvideos. Sandra Hildebrand, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lernlabor Cybersicherheit an der Ostbayerische Technische Hochschule (OTH), sprach mit CHECK.point eLearning über die Vorzüge dieser Videotechnologie und über ihre Einsatzszenarien.

Was unterscheidet Lernvideos, die mit einem Lightboard gestaltet werden, von jenen Lernvideos, die wir bisher kennen?

Sandra Hildebrand: Lernvideos gibt es in den unterschiedlichsten Formaten, von der Aufzeichnung einer Lehrveranstaltung, über die Demonstration von Experimenten, bis zu animierten Storys. Jede Form eines Lernvideos hat seine eigenen Vor- und Nachteile und Einsatzbereiche. Lightboard-Videos sind Lehrvideos, bei denen eine reale Person einen Sachverhalt erklärt. Dabei können Notizen und Skizzen händisch auf einer Tafel aufgezeichnet werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Tafeln ist ein Lightboard jedoch durchsichtig und steht zwischen Kamera und Lehrperson, sodass sich die Blickrichtung beim Schreiben nicht vom Zuschauer abwendet. Damit wird die Schrift auch nicht von der Lehrperson verdeckt. Im Video scheint es, als würden die Notizen in die Luft geschrieben werden.

Welcher technische Aufwand ist dafür erforderlich und welche Produktionsbedingungen sind Voraussetzung?

Sandra Hildebrand: Für die Produktion wird ein Lightboard, eine Kamera, Soft- oder Hardware zum Spiegeln des Bildes und geeignete Leuchten benötigt. Zudem muss der Raum, in dem die Aufnahme stattfindet, vollständig abgedunkelt werden, mit Ausnahme der Beleuchtung der Szene.
Da der richtige Aufbau maßgeblich für den Effekt der schwebenden Schrift ist, bietet es sich an den Aufbau einmalig einzurichten und das Lightboard an einem festen Ort zu betreiben.
Nach dem Aufbau ist die Produktion nicht mehr besonders aufwändig. Zusammenschnitte nach der Produktion sind aufgrund der einzelnen frontalen Kameraperspektive nicht empfehlenswert, daher müssen Lehrende gut vorbereitet sein. Nach etwas Übung kann ein solches Video in nahezu der Zeit erstellt werden, die das Video später hat. Die Nachbearbeitung besteht aus dem Spiegeln des Videobildes und evtl. leichter Farbkorrektur.

Welche didaktischen Vorteile beinhaltet der Einsatz beim multimedialen Lernen?

Sandra Hildebrand: Lightboard-Videos allein führen natürlich nicht zwingend zu besserem Lernen. Sie müssen in ein durchdachtes Lernkonzept intergiert werden. Dennoch bieten sie aus didaktischer Sicht einige Vorteile.
Durch die Präsenz der Lehrperson wird eine persönlichere Situation geschaffen, als dies z.B. in Animationsvideos möglich ist. Zudem wendet die Lehrperson sich beim Schreiben nicht ab, die Sprechrichtung bleibt dem Lernenden zugewandt. Beides führt zu einer persönlicheren Lernerfahrung für Lernende.
Die Lehrperson hat beim Sprechen die Möglichkeit mit den Skizzen zu interagieren, darauf zu verweisen und diese schrittweise zu erweitern. Da die Lehrsituation mit Tafel für Lehrende meist eine gewohnte Situation darstellt fällt es diesen leichter Inhalte natürlich und unverkrampft zu präsentieren und Lernende direkt anzusprechen. So können nahezu alle von R. E. Mayer aufgestellten Prinzipien des multimedialen Lernens, insbesondere aber das Prinzip der Signalisierung, das Modalitätsprinzip und das das Prinzip der simultanen Darstellung, sehr einfach und intuitiv erfüllt werden.

In welchen Bereichen ist der Einsatz von Lightboard-Lernvideos besonders sinnvoll und unterstützend?

Sandra Hildebrand: Im Lernlabor Cybersicherheit findet das Lightboard in zwei Situationen Verwendung. Zum einen bei der Erstellung von onDemand Videos, die komplexe Sachverhalte erklären, welche mit einfachen Handskizzen veranschaulicht werden können. Die Produktion solcher Videos ist mit dem Lightboard einfacher und schneller als eine Animation. Zum anderen wird es in live-online Schulungen eingesetzt, als Möglichkeit z.B. bei der Beantwortung von Fragen händisch Skizzen anzufertigen. Ein Lightboard macht also immer dann Sinn, wenn in digitalen Lehr-/Lernsituationen die Erklärung durch eine Lehrperson erfolgt und zur Veranschaulichung Skizzen angefertigt werden sollen.