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Berlin, März 2026 - (von Rolf Reinhardt) Die großen deutschen Berufsverbände und Kammern erleben aktuell einen gravierenden Mitgliederschwund. Was jahrelang als demografisches Grundrauschen abgetan wurde, hat sich zu einer existenziellen Krise verfestigt. Die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen unmissverständlich: Die geburtenstarken Jahrgänge verabschieden sich in den Ruhestand, während der Nachwuchs – die hochselektiven Millennials und die Gen Z – traditionellen Institutionen zunehmend den Rücken kehrt. Ob Rechtsanwaltskammern, die dreistellige Mitgliederverluste verkraften müssen, oder Gewerkschaften, die mit historischen Tiefständen ihrer Bindungskraft kämpfen: Das Modell der passiven Mitgliedschaft, deren höchster Ausdruck eine gerahmte Urkunde an der Bürowand ist, hat sich überlebt. In dieser Gemengelage drängt sich eine Frage auf, die unter Verbandsstrategen hitzig debattiert wird: Können digitale Abzeichen, sogenannte "Badges", das Ruder herumreißen?