Experteninterview (1)

Zehn Fragen zu HTML5 an Matthias Prinz

Saarbrücken, Oktober 2011 - In einer neuen Serie veröffentlicht die IMC AG künftig Experteninterviews, die sich mit aktuellen Trendthemen aus Bereichen wie etwa Personalentwicklung, IT, eLearning, Cloud Computing oder Workplace Support auseinander setzen. Im ersten Teil dreht sich alles um den neuen Internetstandard HTML5. Matthias Prinz, Consultant Content Services bei IMC, erklärt, welche Vor- und Nachteile die neue Programmiersprache hat, welche Stolpersteine aktuell noch bestehen und welche spannenden Möglichkeiten sich dank HTML5 ergeben.




Was ist HTML5 und was bringt es?

Matthias Prinz: HTML5 ist ein noch in der Entwicklung befindlicher Standard zum Anzeigen von Webseiten und -applikationen. Er soll den derzeitigen Webstandard HTML4 ersetzen und um eine Reihe von Neuerungen ergänzen.

HTML5 ist in aller Munde. Aber ist es wirklich schon reif für den alltäglichen Einsatz?

Matthias Prinz: Jein. Zwar wird HTML5 mittlerweile von allen gängigen Browsern in den neueren Versionen unterstützt, dazu gehört u.a. Mozilla Firefox, Opera, Google Chrome und natürlich auch der Internet Explorer, jedoch interpretiert jeder Browser einige Dinge noch auf seine eigene Weise.

Da HTML5 aber integrierter Bestandteil dieser Browser ist und darüber hinaus auf nahezu allen aktuellen Smartphones und Tablet-PCs lauffähig ist, ist HTML5 schon heute omnipräsent.


Worin liegen die wichtigsten Neuerungen?

Matthias Prinz: Neben den Änderungen, die vor allem "unter der Oberfläche" und somit nur für Entwickler relevant sind, bringt HTML5 auch für den Anwender einige Vorteile:
Die sicherlich interessanteste Neuerung liegt in der Möglichkeit, Animationen, Audio und Video ohne zusätzliche Plug-Ins wie z.B. Flash, wiederzugeben. Dies ermöglicht es, medienreichhaltige Inhalte auch auf Geräten anzuzeigen, die keine Plug-Ins erlauben (z.B. iPhone/iPad).


Ist HTML5 ein wirklicher Ersatz für Flash?

Matthias Prinz: Auch wenn HTML5 viele Funktionen anbietet, die man aus Flash kennt: Von einem wirklichen Ersatz kann hier (noch) nicht die Rede sein. Flash spielt seine Stärken vor allem in der geräteunabhängigen Lauffähigkeit der Inhalte und seiner schnellen und einfachen Erstellung von Animationen aus. Auf diesem Gebiet tut sich HTML5 momentan noch schwer.

Wenn es jedoch um die Gestaltung von Webseiten mit mittlerem bis geringem Interaktionsgrad und Animationen geht, ist HTML5 in Verbindung mit CSS3 schon heute eine ernst zu nehmende Alternative zu Flash.


Was müssen Endnutzer in Bezug auf HTML5 beachten?

Matthias Prinz: Da sich HTML5 nach wie vor in der Entwicklung befindet und sukzessive weiter entwickelt wird, sollten die Endnutzer stets die neuste Version ihres Browsers installieren. Somit können sie sicherstellen, dass HTML5-Inhalte wie geplant angezeigt werden.


Welche Herausforderungen gilt es bei Verwendung von HTML5 zu meistern?

Matthias Prinz: Auch wenn HTML5 Vieles einfacher und kompatibler machen soll: Noch ist der neue Standard nicht offiziell verabschiedet und ist somit derzeit noch mit etlichen Problemen, Lücken und unfertigen Definitionen behaftet, die die verschiedenen Browser unterschiedlich interpretieren.



Dies hat zur Folge, dass derselbe HTML5-Inhalt nicht zwangsläufig in allen Browsern gleich dargestellt wird und manche Funktionen (z.B. Audio-Einbindung) nicht zuverlässig funktionieren.



Umso wichtiger ist es für Anbieter von HTML5-Content, diese Fallstricke geschickt zu umgehen und genau zu wissen, welche Inhalte in welchem Browser funktionieren.



Worauf sollten Anbieter und Kunden bei einem HTML5-Projekt achten?



Matthias Prinz:
Es ist wichtig zu verstehen, dass HTML5 (noch) kein Mittel ist, um einen Content auf allen Browsern und Endgeräten gleichförmig verfügbar zu machen.

Je komplexer der Content wird (Animationen, Interaktionen, Sound, Video etc.), desto komplexer wird auch der Entwicklungs- und Qualitätssicherungs-Prozess, um eine korrekte Darstellung in den gewünschten Browsern und Endgeräten zu gewährleisten.



Wichtig ist deshalb auch eine intensive Auseinandersetzung der Projektbeteiligten vor Projektstart mit der Frage: Welche Features sollen umgesetzt werden und in welchen Browsern bzw. auf welchen Endgeräten soll der Content später abrufbar sein?



Könnte HTML5 eine Revolution für die Smartphone-App Entwicklung bedeuten, gerade in Bezug auf die verschiedenen Betriebssysteme?

Matthias Prinz: Definitiv. Zu Beginn der Smartphone Ära gab es - vor allem durch die Marktpenetration des iPhones - den Trend, native Apps über einen eigenen App-Store anzubieten. Dies wird sich in Zukunft dahingehend verändern, dass viele Apps in die "Cloud" wandern: Ein und dieselbe Version einer App wird dank HTML5 auf mehreren Endgeräten lauffähig und über das Internet abrufbar sein. Dies wird den App-Markt nachhaltig verändern.


In welcher Form hat die IMC AG HTML5 bisher eingesetzt?

Matthias Prinz: Bisher wurden diverse HTML5-Projekte speziell für Smartphones umgesetzt. Dazu gehören u.a. ein interaktives Lernspiel und ein Browsergame im Comic-Stil.


Welche Formate bietet IMC bei der Entwicklung von eLearning Content zukünftig noch auf Basis von HTML5?

Matthias Prinz: Besonders die Verbindung von HTML5, CSS3 und JavaScript bietet ein interessantes Geschäftsfeld für die Entwicklung von Cloud-basierten, geräteunabhängigen Apps für Smartphones und Tablets. Auch die Erstellung klassischer Web Based Trainings (WBT) in HTML5 werden wir in Zukunft weiter verfolgen.