Ob Key Player oder Mittelstand, ob disruptives Startup oder Bildungsinitiative: Vom 5. bis zum 7. Mai 2026 präsentieren Unternehmen aus aller Welt ihre Lösungen rund um digitale Bildung, begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit viel Raum für Austausch.
<strong>mmb Learning Delphi</strong>
Übernehmen KI-Tech-Unternehmen bald den digitalen Bildungsmarkt?
Köln, März 2026 - 20 Jahre ist es nun her, dass ein Team des mmb Instituts mit Klemmbrettern und ausgedruckten Fragebögen über die LEARNTEC in Karlsruhe ging und insgesamt 40 Messeteilnehmende nach einer Einschätzung von eLearning-Trends in den nächsten drei Jahren fragte. Noch im Hotel wurden über Nacht die Befragungsdaten ausgewertet – und im Februar 2006 erschienen damit die ersten Ergebnisse der Trendstudie "mmb Learning Delphi".
Seit 2007 sind die Klemmbretter einer Online-Befragung gewichen, an der sich regelmäßig 70 bis 80 Expert:innen aus der Bildungscommunity beteiligen. Wer die Entwicklung der Trend-Einschätzungen aus 20 Jahren "mmb Learning Delphi" einmal Revue passieren lassen möchte, kann diese als "Barchart Race" auf der Website des mmb Instituts abrufen. Nun liegt die 20. Ausgabe vor. Insgesamt 77 Expertinnen und Experten haben sich zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 an der aktuellen Online-Befragung beteiligt.
Die Zusammenfassung der aktuellen Ergebnisse:
- Bei der Einschätzung des Branchenklimas konstatieren die Befragten eine generelle Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Eine Ausnahme bildet die Gruppe der traditionellen eLearning-Anbieter. Sie gelten zwar grundsätzlich als wirtschaftlich stabil, allerdings gibt es seit einigen Jahren Hinweise auf eine Verschiebung der Marktgewichte hin zu neuen Playern wie Startups oder internationalen Bildungsplattformen. Zum anderen lässt die steigende Bedeutung von KI für die digitale Bildung auch auf ein wachsendes Gewicht "lernferner" BigTech-Unternehmen wie Alphabet, Anthropic oder Open AI schließen.
- Die eLearning-Dienstleister unter den befragten Expertinnen und Experten berichten überwiegend (60 %) von gestiegenen Umsätzen im vergangenen Geschäftsjahr. Auf der anderen Seite ist der Anteil der Befragten, die gesunkene Umsätze verzeichnen, gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen (von 3 % auf jetzt 24 %).
- Fast alle Befragten (95 %) sehen die Zukunftsfähigkeit von Chatbots und Lernassistenten in der beruflichen Bildung für die kommenden drei Jahre, damit bleiben sie an der Spitze des Rankings von Lerntechnologien und Lernkonzepten. Videotutorials (79 %) und Learning Nuggets (80 %) haben hingegen deutlich an Zustimmung verloren – möglicherweise ein Verdrängungseffekt durch Chatbots und weitere generierende KI-Systeme. Einen deutlichen Zuwachs verzeichnen auch KI-gestützte Systeme zur Prüfungsaufsicht (Proctoring, 61 %).
- Bei der Frage nach den kommerziellen Erfolgsaussichten liegen Chatbots und Lernassistenten erstmals auf Platz 1 (mit 75 % der Nennungen, Vorjahr 66 %), gefolgt von einer weiteren KI-unterstützten Anwendung, dem Adaptive Learning (unverändert 71 %). Erstmals wieder mit deutlichen Zuwächsen bei der prognostizierten kommerziellen Bedeutung wartet das Blended Learning auf, das seine langjährige Spitzenposition zwar nicht mehr erreicht, sich aber immerhin um 9 Prozentpunkte verbessert. Besonders große Einbußen verzeichnen auf der anderen Seite Video-Tutorials (minus 19 Prozentpunkte) und Augmented/Virtual/Mixed Reality (minus 16).
- Auch für die nächste Zukunft wird das Thema Künstliche Intelligenz nach Einschätzung der Befragten das wichtigste Lernthema bleiben. Auf dem zweiten Platz rangieren Future Skills, gefolgt von IT-Anwendungen bzw. IT-Geschäftsprozessen.
- Die wichtigste Zielgruppe der digitalen Bildungswirtschaft bleiben weiterhin die Großunternehmen, gefolgt von KMU und, mit deutlichem Abstand, der Öffentlichen Verwaltung. In diesen Märkten finden sich die Budgets und Skalierungsmöglichkeiten, die für Anbieter von maßgeschneiderten digitalen Lernlösungen besonders attraktiv sind. Dass sich die Zielgruppe der im Berufsleben stehenden individuell Lernenden in diesem Jahr nach vorne gearbeitet hat, kann auf der anderen Seite als Hinweis auf die wachsende Bedeutung von Standardprodukten gewertet werden.
- KI-bedingt haben sich schriftliche Prüfungsformate wie Hausarbeiten und Klausuren als nicht mehr vertrauenswürdig erwiesen, um Kompetenzen von Prüfkandidat:innen nachzuweisen. Sinnvoller sind nach Ansicht der Befragten synchrone Prüfungsformate, in denen man die Kandidat:innen persönlich "erlebt" (praktische Demonstrationen, mündliche Prüfungen). Mündliche Online-Prüfungen landen auf Rang drei. Diese synchronen Prüfungen bedeuten jedoch einen höheren Zeitaufwand und ein aufwändiges Terminmanagement.
- Wenn es um Regelwerke zum KI-Einsatz in der beruflichen Bildung geht, sieht mehr als die Hälfte der Befragten (57 %) große Defizite bei der Regulierung des Urheberrechts, gefolgt von Regeln zur Kennzeichnung von KI-Produkten (50 %). Beim Datenschutz sehen 24 Prozent der Expert:innen bereits eine Gefahr der Überregulierung. Ausreichend reguliert sind der KI-Einsatz durch Lehrende (67 %) und Lernende (61 %) sowie Fortbildungen zum KI-Einsatz und zur KI-Kompetenzförderung (64 %).
- Der KI-Hype setzt sich fort und bleibt auch sichtbar – 95 Prozent der Befragten sehen den Einsatz von KI in der Bildung in den nächsten drei Jahren als "selbstverständlich" an, 86 Prozent rechnen damit, dass die KI-Integration in Bildungsanwendungen nach wie vor besonders hervorgehoben wird.
- Deutlich mehr Befragte als in den Vorjahren befürchten Deskilling-Effekte durch den KI-Einsatz (75 %) und sehen den hohen Zeitaufwand für die Qualitätsprüfung von KI-Ergebnissen (73 %). Doch mehr als drei Viertel der Befragten (77 %) sehen auf der Positiv-Seite die zeitliche Entlastung von Lehrenden durch die KI-Nutzung.