LEARNTEC 2026: Der Hotspot für digitale Bildung

Bild entfernt.Ob Key Player oder Mittelstand, ob disruptives Startup oder Bildungsinitiative: Vom 5. bis zum 7. Mai 2026 präsentieren Unternehmen aus aller Welt ihre Lösungen rund um digitale Bildung, begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit viel Raum für Austausch.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Prompt Engineering

Wie man zum Manager eines digitalen Kollegen wird

Thorsten Rusch, Cornerstone OnDemand
Düsseldorf, März 2026 - (von Thorsten Rusch, Senior Director Solution Consulting für DACH, Nord- und Osteuropa bei Cornerstone) Sie tun vieles, aber nichts von alleine: KI-Agenten. Und so unerschöpflich ihre Wissensbasis auch sein mag, so sehr sind sie auf das richtige Briefing angewiesen, um überzeugend zu liefern. Dafür gibt es mittlerweile die Disziplin des Prompt Engineerings. Damit aber nicht genug. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, jemanden ins Team zu integrieren, der zwar rasend schnell Entscheidungen trifft, aber weder Bauchgefühl noch soziale Erfahrung hat.

Wie wird man also zum Manager eines digitalen Kollegen, der nicht vor dem Rechner nebenan sitzt, sondern hinter dem eigenen Bildschirm? Hier sind HR-Skills gefragt, wenngleich es nicht um echte Menschen geht. Führungsstärke, klare Anleitungen und ruhig auch mal ein Lob – diese Fähigkeiten sollte man mitbringen, wenn man dem Agenten beibringen will, Ergebnisse zu liefern, die technisch korrekt sind und inhaltlich genau auf den Hintergrund der Frage abzielen.

Für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit autonomen Agenten ist deshalb auch kein klassisches HR-Handbuch erforderlich, sondern eher ein Upgrade der eigenen Management-Skills. Dabei geht es im Kern um folgende fünf konkreten Fähigkeiten:

1. Mission Control: Rollen vergeben statt nur Aufgaben

Wer mit Generativer KI arbeitet, sollte wissen, wie ein guter Prompt aussieht. Dann lässt sich mit ihr schon einiges erreichen, denn sie reagiert auf einzelne Befehle. Für die Arbeit mit Agenten genügt das jedoch nicht, denn diese entwickeln eigene Pläne und erledigen mehrstufige Aufgaben autonom. Dafür brauchen sie aber keine simplen Befehle, sondern eine Identität/eine feste Rolle und ein übergeordnetes Ziel.
Statt dem simplen Prompt "Such aktuelle Trends" sollte es also besser heißen: "Als unser proaktiver Social-Media-Scout für Tech-Trends ist es Dein Ziel, jede Woche drei unentdeckte Branchenthemen zu finden und mir erste Entwürfe für Social-Media-Posts vorzulegen." Wer so vorgeht, macht aus der bloßen "Antwortmaschine" ein proaktives Team-Mitglied, das seinen eigenen Verantwortungsbereich übernimmt.

2. Strukturierte Aufträge statt vager Anweisungen

Geschwindigkeit und Datenverarbeitung sind die Stärken eines KI-Agenten. Um dieses Potenzial abzurufen und effektiv zu arbeiten, braucht er klare Leitplanken. Vage Anweisungen wie "Erstelle einen Blogartikel über Nachhaltigkeit" enden oft in austauschbaren, wenig inspirierenden Ergebnissen. Entscheidend ist daher ein strukturierter, mehrschichtiger Auftrag, in dem Ziel, Kontext, Zielgruppe und gewünschter Stil präzise definiert sind.

Idealerweise erhält er eine logische Schritt-für-Schritt-Abfolge:

  • Beobachte täglich relevante News-Plattformen und Fachportale auf aktuelle Trends hin
  • Wähle ein Thema aus, das aktuell besonders häufig geteilt oder kontrovers diskutiert wird
  • Sammle ergänzende Informationen, Statistiken oder Expertenmeinungen aus verlässlichen Quellen
  • Formuliere daraus mehrere Varianten (z. B. eine Story-getriebene Version, eine faktenorientierte Analyse und einen meinungsstarken Kommentar)
  • Stelle die Ergebnisse in übersichtlicher Form jeweils montags bis 9 Uhr zur Durchsicht bereit

3. Saubere Daten sind die Grundlage 

Auch ein Spitzenkoch ist immer angewiesen auf die Zutaten, die sich gerade in der Küche befinden. Analog sind KI-Agenten nur so gut wie der ihnen mitgegebene Kontext und benötigen maschinenlesbar aufbereitetes Wissen. So empfehlen sich eindeutige, beschreibende Dateinamen, eine zentrale Datenablage statt lokaler Silos und das stetige Aktualisieren von Statuslisten. Ein Agent kann den Projektstand nur erkennen, wenn er Zugriff auf gepflegte To-do-Listen oder Projektpläne hat. Hier zeigt sich ganz konkret: Wie gut KI funktioniert, hängt zu großen Teilen von der Datenqualität ab.

4. Differenziertes Feedback auf Prozessebene geben

Selbst mit einer durchdachten Vorgehensweise liefert ein KI-Agent nicht auf Anhieb optimale Resultate. Ein typischer Denkfehler besteht darin, lediglich das Endergebnis zu korrigieren ("Der Beitrag ist zu oberflächlich"), statt die zugrunde liegende Ursache zu hinterfragen. Während das bei einfachen Chat-Anfragen oft genügt, greift es bei Agenten zu kurz – sie profitieren vielmehr von Feedback auf Prozessebene.

Wenn das Resultat nicht überzeugt, sollte analysiert werden, an welcher Stelle im Ablauf der Fehler entstanden ist: "In deinem zweiten Schritt war die Auswertung zu einseitig. Du hast dich nur auf die Hauptinhalte konzentriert. Berücksichtige künftig auch Nutzerreaktionen und Diskussionen, um ein vollständigeres Bild zu erhalten." Erst durch solche gezielten Hinweise versteht der digitale Assistent, wie er seinen Arbeitsprozess – also seine gedankliche Schrittfolge – nachhaltig verbessern kann.

5. Verteilte Rollen zwischen Mensch und Maschine

Ein Agent analysiert Daten, erstellt Prognosen und beschleunigt Prozesse. Was er nicht hat, sind moralische Werte oder ein Gespür für Fairness oder Firmenpolitik. Deshalb muss die Führungskraft klar entscheiden, welche Aufgaben er autonom erledigen darf und wo eine menschliche Freigabe zwingend erforderlich ist.

Beispiel Recruiting: Der Agent kann Bewerbungen vorsortieren, dabei aber subtile Muster übersehen oder Vorurteile und Denkfehler verstärken. Er macht also die Arbeit, der Job des Menschen ist es, das Ergebnis kritisch zu prüfen und Verzerrungen zu verhindern, kurz: die Risiken zu managen.

Wichtiger Skill der Arbeitswelt von morgen

Wie ein begabter, aber unerfahrener Praktikant muss ein KI-Agent eng geführt werden, um sein Potenzial entfalten zu können. Kritisches Denken und die Fähigkeit, komplexe Briefings zu erstellen, werden laut dem Future of Jobs Report 2025 daher schon bald zu den wichtigsten Skills gehören. Keine Angst also, dass KI-Agenten die eigene Arbeitskraft wegrationalisieren. Wer es versteht, sie richtig anzuleiten, wird auch morgen noch in einer von Agenten geprägten Arbeitswelt dringend gebraucht.