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Von KI, Co-Create Learning über Lernbegleitung bis hin zu Wissensvermittlung

Bild entfernt.         Drei Tage, 30 parallele Themen-Streams, mehr als 40 Vorträge und Talks und renommierte Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Technologie: Der LEARNTEC Kongress vom 5. bis zum 7. Mai 2026 kratzt nicht nur an der Oberfläche. Er geht den aktuellen Herausforderungen in der digitalen Bildung auf den Grund.

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Co-Create Learning

Bedürfnisse besser verstehen, Lernen gemeinsam gestalten

Martina Hölscher
Osnabrück, März 2026 - Am 7. Mai um 10.30 Uhr lädt Martina Hölscher von Locinar.plus zum Workshop über "Co-Create Learning".  Design-Thinking-inspirierte Prozesse helfen dabei, Konzepte systematisch und lernendenzentriert zu entwickeln. In kleinen Teams entwickeln die Teilnehmer:innen Ideen für ein digitales Lernformat und erhalten dabei Unterstützung von einer KI-Persona. Ausgestattet mit Impulsen zu digitalen und KI-basierten Lernformaten sowie einer kompakten Kreativmethode entstehen Konzeptskizzen etwa als Ideen-Canvas, Storyboard oder Textkonzept.

Was sind die besonderen Vorteile des Co-Create Learning? Für Lehrende und für Lernende.

Martina Hölscher: Um dies einzuordnen, ist es hilfreich, den Ansatz kurz zu erläutern: Co-Create Learning ist ein lernendenzentrierter Ansatz, der sich am Design Thinking orientiert. Dabei werden Lernangebote konsequent von den Lernenden aus gedacht und sollen sich an deren spezifischen Bedürfnissen und Rahmenbedingungen ausrichten.

Entscheidend ist: Nicht das Format steht am Anfang, sondern die Frage, welches Lernergebnis erreicht werden soll und welche Art von Unterstützung dafür sinnvoll ist. Ob daraus ein ELearning, ein Micro-Learning, ein Online-Seminar, ein Präsenzformat oder eine modulare Kombination verschiedener Elemente entsteht, ergibt sich erst im Prozess.

Co-Creation findet dabei auf zwei Ebenen statt. Die Lernenden werden zum einen in den Entstehungsprozess von Lernangeboten eingebunden und können diesen aktiv mitgestalten. Idealerweise geschieht dies mit echten Personen, aber auch der Einsatz von KI-Personas kann sinnvoll sein. Im Learntec-Workshop werden wir dies zum Beispiel mit Nora als KI-Persona einer jungen Führungskraft und ihrem Lernbedarf simulieren.

Zum anderen sind in den Design-Prozess idealerweise Learning Expert:innen aus unterschiedlichen Bereichen involviert, so dass durch die Multiprofessionalität des Design Teams ein bestmögliches Ergebnis entsteht.

Der Vorteil für die Lernenden liegt auf der Hand: Sie erhalten ein an ihren Bedürfnissen und ihrem Arbeitsalltag ausgerichtetes Lernerlebnis, das ihre individuellen Herausforderungen ernst nimmt und einen direkten Transfer in die Praxis ermöglicht.

Der Mehrwert für Lehrende oder Lerngestalter:innen liegt darin, dass sie ein besseres Verständnis für die tatsächlichen Bedarfe und Nutzungskontexte der Lernenden erhalten. Anstatt ihre Angebote auf Basis von Annahmen zu konzipieren, können sie Hypothesen früh prüfen, Rückmeldungen einholen und ihre Ideen iterativ schärfen. Dadurch wird das Risiko reduziert, das Lernformat an der Praxis vorbeizudenken.

Eignet sich Co-Create Learning für jedes Lernszenarium?

Martina Hölscher: Nein, nicht auf die gleiche Weise. Co-Create Learning bietet sich an, wenn Lernangebote neu gedacht werden sollen oder wenn bisherige Standardlösungen die gewünschte Wirkung bei der Zielgruppe nicht erzielen. Der Ansatz ist also besonders sinnvoll, wenn Lernangebote stark an reale Handlungssituationen, konkrete Bedarfe und heterogene Zielgruppen angepasst werden müssen.

Co-Create Learning ist weniger ergiebig, wenn Inhalte sehr stark normiert sind und es nur wenig Gestaltungsspielraum gibt, wie es beispielsweise bei stark regulierten Pflichtschulungen der Fall ist. Doch auch in diesen Fällen kann der Ansatz hilfreich sein. Wenn auch nicht unbedingt, um die Inhalte selbst offen mitzugestalten, sondern um besser zu verstehen, an welchen Stellen Lernende aussteigen, was sie als unzugänglich erleben und wie Formate transferstärker gestaltet werden können.

Deshalb würde ich die Frage anders stellen: Nicht: "Ist Co-Create Learning für jedes Lernszenario geeignet?", sondern: "An welcher Stelle kann Co-Create Learning einen Mehrwert bei der Gestaltung von Lernprozessen liefern?" Oft reicht auch eine gezielte Einbindung in einzelnen Phasen, z. B. bei der Bedarfserhebung, beim Entwickeln und Testen von Ideen oder beim Nachschärfen bestehender Angebote.

Welche Formen des Co-Create Learning sind in welchen Kontexten vorzugsweise einsetzbar? Bitte geben Sie uns Beispiele.

Martina Hölscher: Grundsätzlich ist Co-Create Learning als Design-Thinking-inspirierter Ansatz vor allem für komplexe und offene Lernkontexte geeignet. Der Prozess kann dabei, sowohl was die Inhalte als auch was die Umsetzung angeht, zu Beginn ergebnisoffen sein. Co-Create Learning kann sich aber bei vorgegebenen Lernzielen oder -inhalten auch nur einzelner Phasen bedienen.

Ein zentraler Einsatzbereich ist die berufliche und persönliche Weiterentwicklung. Wenn Mitarbeitende sehr konkrete Herausforderungen im Arbeitsalltag haben, entstehen durch cokreative Entwicklung oft deutlich passgenauere Lösungen als durch klassische Standardformate.

Bei neuen Führungskräften kann das beispielsweise bedeuten, dass Lernangebote zu schwierigen Gesprächen nicht als allgemeines Kommunikationstraining konzipiert werden, sondern als Kombination aus kurzen Praxisszenarien, Formulierungshilfen, Checklisten oder KI-gestützter Gesprächssimulation.

Co-Create Learning passt auch sehr gut in den Schul- und Hochschulkontext, um das Lernen selbstorganisierter und partizipativer zu gestalten und es näher an die Lebenswelt der Schüler:innen bzw. Studierenden zu bringen. Dies ist besonders hilfreich, wenn es z. B. um themen- und fächerübergreifende Lernformate und projektbasiertes Lernen geht.

Auch in Veränderungs- und Transformationsprozessen kann Co-Create Learning einen wichtigen Beitrag leisten. Zum Beispiel, indem es sichtbar macht, was Mitarbeitende benötigen, um Veränderungsvorhaben nicht nur zu verstehen, sondern sie auch im Arbeitsalltag mitzutragen und wirksam umzusetzen.

Wie eng dürfen oder flexibel müssen Lernziele formuliert sein für einen sinnvollen Einsatz von Co-Create Learning?

Martina Hölscher: Lernziele sollten klar genug sein, um Orientierung zu geben, aber auch offen genug, um individuelle Anpassungen zu ermöglichen. Wichtig ist, dass Lernziele deutlich machen, wie Lernende das Gelernte im Anschluss wirksam einsetzen können, sodass die Praxisrelevanz erkennbar wird. Eine grobe Richtung kann sich aus der sogenannten WKW-Frage ergeben, die im Design Thinking den Problemraum schließt und den Ideenraum öffnet.
In unserem Workshop-Beispiel könnte diese beispielsweise wie folgt lauten: "Wie können wir für Personen wie Nora ein Lernangebot entwickeln, das sie in die Lage versetzt, schwierige Mitarbeitergespräche mit wenig Zeitaufwand praxisnah vorzubereiten, zu üben und im Führungsalltag sicher umzusetzen?"

Idealerweise sind die übergeordneten Lernziele so flexibel formuliert, dass die Lernenden daraus ihr eigenes Lernziel, die Zwischenergebnisse und die Reflexion des Lernfortschritts ableiten können. Ein OKR-inspirierter Ansatz (Objective & Key Results) kann hier helfen, Lernenden einen Leitfaden zu geben, um ein eigenes Zielsystem für das Lernangebot zu gestalten.

Ist der Lehr-Aufwand bei Co-Create Learning höher oder anspruchsvoller als beim Einsatz anderen Methoden?

Martina Hölscher: Ich würde sagen: Nicht unbedingt höher, aber in jedem Fall anders und oft anspruchsvoller. Der Aufwand verschiebt sich. Bei klassischen Formaten liegt ein großer Teil der Arbeit in der inhaltlichen Aufbereitung, Umsetzung des Lernangebots und dessen Vermittlung. Beim Co-Create Learning müssen Lerngestalter:innen und Lehrende verstärkt zuhören, sich einfühlen, unterschiedliche Herausforderungen verdichten, mit Offenheit umgehen und Prozesse gut moderieren.
Das verlangt didaktische Klarheit, methodische Flexibilität und die Bereitschaft, nicht alles von Anfang an vollständig kontrollieren zu wollen. Dabei hilft die Multiprofessionalität im Team. Gerade in der Konzeptionsphase benötigt Co-Create Learning zunächst oft mehr Aufwand, da Bedarfe erhoben, Perspektiven einbezogen und Ideen iterativ weiterentwickelt werden müssen. Dieser Aufwand kann sich jedoch langfristig sehr lohnen, da so tragfähigere und wirksamere Lernangebote entstehen.

In unserem Workshop durchlaufen die Teilnehmenden diesen Prozess: Sie arbeiten in kleinen Gruppen mit einer KI-Persona in einem kompakten, strukturierten Prozess zusammen. Sie lernen Instrumente wie die Empathy Map, Kreativformate und Prototypenansätze kennen. Am Ende können sie ihr Konzept zusammen mit der Persona verproben. Dadurch wird deutlich, dass Co-Create Learning keine überkomplexe Methode sein muss, sondern vor allem eine gute Herausforderung, ein multiprofessionelles Team und passende Methoden erfordert.

SCHLAGWORTE