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Aktives Erleben

Mehr als nur VR - Wie immersives Lernen wirklich funktioniert

München, Mai 2026 - (von Bianca Oswald, FKC) Immersives Lernen ist eines dieser Schlagworte, bei denen viele sofort an futuristische Szenarien denken: Menschen mit VR-Brillen, die in virtuellen Welten herumlaufen und dabei Dinge lernen, die im echten Leben vielleicht kompliziert, gefährlich oder schlicht unmöglich wären. So weit, so beeindruckend. Aber wenn man den Begriff einmal von diesem technologischen Glanz befreit, bleibt etwas viel Grundsätzlicheres übrig. Immersives Lernen bedeutet im Kern, Lernende so stark in eine Situation einzubinden, dass sie nicht nur Inhalte aufnehmen, sondern aktiv erleben, Entscheidungen treffen und die Konsequenzen ihres Handelns spüren. Es geht um Kontext, Relevanz und das Gefühl, wirklich "drin" zu sein – und das ist weniger eine Frage der Technik als vielmehr eine der Gestaltung.

Natürlich kann Virtual Reality genau dieses Gefühl sehr eindrucksvoll erzeugen. Gerade in Bereichen wie Sicherheitstrainings oder komplexen technischen Umgebungen ist es ein enormer Vorteil, wenn man Situationen realitätsnah simulieren kann, ohne echte Risiken einzugehen. Gleichzeitig bringt die viel zitierte VR-Brille aber auch eine Reihe ganz praktischer Herausforderungen mit sich, die im Projektalltag gerne unterschätzt werden. Sie muss angeschafft, verwaltet und gepflegt werden, was bei mehreren Nutzenden schnell zu organisatorischem Aufwand führt. Hygienefragen sind plötzlich kein Randthema mehr, sondern Teil des Trainingskonzepts.
Dazu kommt, dass nicht jede Zielgruppe gleichermaßen technikaffin ist und manche Nutzende eher vorsichtig reagieren – sei es aus Unsicherheit im Umgang oder, ganz banal, weil ihnen nach kurzer Zeit schwindelig wird. Für heterogene Zielgruppen ist VR deshalb nicht automatisch die beste Lösung, auch wenn sie auf den ersten Blick die spektakulärste ist.

Die gute Nachricht ist, dass Immersion auch ganz ohne High-End-Hardware funktioniert. Tatsächlich lässt sich ein starkes Eintauchen in Lernsituationen oft schon mit vergleichsweise einfachen Mitteln erreichen, wenn die didaktische Gestaltung stimmt. Autorentools wie Articulate Storyline bieten beispielsweise die Möglichkeit, Szenarien zu entwickeln, in denen Lernende Entscheidungen treffen und unterschiedliche Handlungsverläufe erleben. Ergänzt man solche Geschichten mit 360-Grad-Bildern, entsteht schnell ein Gefühl von räumlicher Präsenz, das deutlich über klassische Folien hinausgeht.
Auch spielerische Ansätze wie Escape-Game-Mechaniken können dafür sorgen, dass Lernende sich intensiv mit Inhalten auseinandersetzen, weil sie aktiv Probleme lösen müssen, statt nur Informationen zu konsumieren. In solchen Fällen entsteht Immersion nicht durch die Brille auf der Nase, sondern durch eine kluge Kombination aus Storytelling, Interaktion und visueller Gestaltung. Die entscheidende Frage ist also nicht, welches Medium eingesetzt wird, sondern ob es gelingt, ein Erlebnis zu schaffen, das die Lernenden wirklich einbindet.

Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf, wann immersives Lernen überhaupt sinnvoll ist. Typische Einsatzfelder sind Situationen, in denen Fehler im echten Leben teuer oder gefährlich wären, etwa in Sicherheitstrainings, oder in denen komplexe Abläufe verstanden werden müssen, wie beim Onboarding in anspruchsvollen Arbeitsumgebungen. Auch im Bereich der Soft Skills kann Immersion einen großen Unterschied machen, etwa wenn es darum geht, schwierige Gespräche zu führen oder Führungsverhalten zu trainieren.
Der geschäftliche Mehrwert entsteht dabei vor allem dann, wenn Trainings regelmäßig stattfinden, reale Fehler hohe Kosten verursachen oder klassische Lernformate an ihre Grenzen stoßen. In solchen Fällen kann ein gut gemachtes immersives Training nicht nur effektiver sein, sondern sich auch wirtschaftlich rechnen. Umgekehrt gilt aber ebenso: Nicht jedes Thema braucht ein immersives Setting, und manchmal ist ein klar strukturiertes, klassisches eLearning die deutlich effizientere Lösung.

Der eigentliche Grund, warum Immersion so gut funktionieren kann, liegt ohnehin weniger in der Technik als in der Art und Weise, wie Menschen lernen. Wenn Lernende Entscheidungen treffen müssen, emotional eingebunden sind und unmittelbares Feedback auf ihr Handeln erhalten, bleibt das Gelernte nachhaltiger im Gedächtnis. Genau hier liegt aber auch ein häufiger Stolperstein. Wird der Fokus zu stark auf den "Wow-Effekt" gelegt, besteht die Gefahr, dass zwar beeindruckende Erlebnisse entstehen, der eigentliche Lernnutzen jedoch in den Hintergrund rückt. Eine visuell aufwendige Umgebung ohne sinnvolle Interaktion ist am Ende nicht viel mehr als eine schöne Kulisse. Entscheidend ist daher, dass immersive Lernangebote klare Lernziele verfolgen, relevante Entscheidungssituationen bieten und Raum für Reflexion schaffen.

Wenn man in die Zukunft blickt, zeichnet sich ab, dass sich immersives Lernen weniger über immer spektakulärere Hardware definieren wird, sondern über intelligentere und besser integrierte Lernlösungen. Künstliche Intelligenz könnte beispielsweise dazu beitragen, Szenarien dynamisch an das Verhalten der Lernenden anzupassen oder realistischere Dialoge mit virtuellen Figuren zu ermöglichen.
Gleichzeitig wird Immersion voraussichtlich stärker in den Arbeitsalltag eingebettet und flexibler nutzbar werden, anstatt als isoliertes Spezialformat zu existieren. Die Entwicklung geht also nicht zwingend in Richtung noch mehr Technik, sondern in Richtung besserer Erlebnisse, die sich leichter zugänglich und sinnvoll skalierbar umsetzen lassen. Am Ende bleibt die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Immersion entsteht nicht durch das Gerät, sondern durch das, was wir daraus machen.