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Forschungsprogramm

Gezielte Beeinflussung in immersiven XR-Räumen

Halle, Mai 2026 - Mit der Ende April 2026 veröffentlichten Ausschreibung zum Forschungsprogramm "Forschungsplattform zur Untersuchung von Desinformation in der virtuellen Realität (FoUnD-VR)" adressiert die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH (Cyberagentur) ein sicherheitsrelevantes Zukunftsthema. Ziel ist der Aufbau einer Forschungs- und Testumgebung, mit der sich neuartige Formen gezielter Beeinflussung in immersiven XR-Räumen analysieren, verstehen und einordnen lassen.

Das Programm FoUnD-VR nimmt ein Forschungsfeld in den Blick, das mit der wachsenden Verbreitung immersiver Technologien erheblich an Relevanz gewinnt: die gezielte Manipulation von Wahrnehmung, Interaktion und Entscheidungsverhalten in virtuellen Umgebungen.
Virtuelle, augmentierte und erweiterte Realitäten entwickeln sich zunehmend zu digitalen Räumen, in denen Menschen kommunizieren, arbeiten, lernen und Entscheidungen treffen. Damit entstehen neue Kontexte gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und perspektivisch auch politischer Einflussnahme. Während Desinformation bislang vor allem im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken, Messenger-Diensten und klassischen Online-Medien untersucht wird, eröffnen XR-Anwendungen eine zusätzliche Dimension der Beeinflussung. In dreidimensionalen, immersiven Umgebungen verdichten sich visuelle, auditive und perspektivisch auch weitere sensorische Reize zu einem Erleben, das Manipulation besonders wirksam machen kann.
FoUnD-VR soll deshalb eine virtuelle Forschungs- und Testumgebung schaffen, in der neue Formen von Desinformation in XR-Räumen systematisch untersucht werden können. Im Mittelpunkt stehen digitale Welten wie Metaverse-, Omniverse- oder Citiverse-Anwendungen, in denen Individuen, Organisationen und Institutionen miteinander interagieren. Das Forschungsprogramm soll Voraussetzungen dafür schaffen, bislang unzureichend verstandene Desinformationsformen zu identifizieren, ihre Dynamiken wissenschaftlich einzuordnen und belastbare Erkenntnisse über ihre Wirkmechanismen zu gewinnen.
Untersucht werden sollen unter anderem täuschend echte Avatare, Deep-Fake-Interaktionen, manipulativ veränderte virtuelle Umgebungen sowie weitere technisch erzeugte Einflüsse auf Wahrnehmung und Urteilsbildung. Ziel ist es, Szenarien, Methoden und Analyseansätze zu entwickeln, die den besonderen Bedingungen immersiver Technologien Rechnung tragen. Gerade wegen der hohen emotionalen Einbindung und der zusätzlichen Sinnesmodalitäten in virtuellen Räumen besteht ein erheblicher Forschungsbedarf, um künftige Risiken frühzeitig zu erkennen und wissenschaftlich belastbare Gegenperspektiven zu entwickeln. Da die Fragestellung an der Schnittstelle von Technik und Gesellschaft liegt, ist deren interdisziplinäre Bearbeitung besonders relevant.

Dr. Andreas Schönau, Forschungsreferent Sichere Gesellschaft der Cyberagentur, erklärt: "FoUnD-VR adressiert ein Forschungsfeld, das für die Cybersicherheit der Zukunft erhebliche Bedeutung besitzt und zugleich noch deutliche Wissenslücken aufweist. Das große Interesse im fachlichen Umfeld hat bereits vor Veröffentlichung der Ausschreibung erkennen lassen, dass nicht nur der Analysebedarf hoch ist, sondern auch die Bereitschaft, aus dieser Fragestellung tragfähige Forschungs- und Umsetzungsansätze zu entwickeln."
Bereits im Vorfeld der Ausschreibung fand ein Partnering Event statt, in dem Zielsetzung, Forschungsrahmen und mögliche Kooperationskonstellationen des Programms vorgestellt wurden. Die Resonanz verdeutlichte das große fachliche Interesse an einer vertieften wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Desinformation in immersiven virtuellen Räumen.

Auf e-Vergabe wurde die Ausschreibung mit der Auftragsbekanntmachungsnummer 312 CAEU IP 2025 veröffentlicht. Einreichungsfrist für die Teilnahme ist der 24.06.2026, 11 Uhr. Interessierte Forschungseinrichtungen und Unternehmen sowie Startups können ab sofort ihre Teilnahme bekunden. Eine Beteiligung ist sowohl allein als auch im Konsortium möglich.