Mehr Einschreibungen in Micro-Credentials in Deutschland
Ein Studienabschluss allein verschafft auf dem Arbeitsmarkt immer seltener einen Vorsprung. Gefragt ist der konkrete Nachweis vorhandener Fähigkeiten. Laut dem Micro-Credentials Impact Report erwarten bis 2030 weltweit 61 Prozent der Arbeitgeber, dass sich mehr als 30 Prozent der zentralen beruflichen Fähigkeiten verändern. Entsprechend setzen 98 Prozent inzwischen auf kompetenzbasiertes Recruiting, 86 Prozent davon intensiv bei Einstiegspositionen. Klassische Kriterien wie Notendurchschnitt oder Hochschulname verlieren dabei tendenziell an Gewicht.
Google und KI unter den deutschen Top-Kursen
Sieben der zehn in Deutschland meistgenutzten Micro-Credentials der vergangenen zwölf Monate vermitteln KI-, Daten- oder Cybersecurity-Kompetenzen. Die vorderen Plätze belegen Kurse von Google, gefolgt von IBM und Microsoft.
Top 10 Micro-Credentials in Deutschland:
- Google AI
- Google Projektverwaltung
- Google Datenanalyse
- Google Cybersecurity
- Google IT Support
- Microsoft Power BI-Datenanalyst
- IBM KI-Technik
- Google Digital Marketing & E-Commerce
- IBM Generative AI Engineering
- Google UX Design
Diese Schwerpunktsetzung spiegelt eine weltweite Entwicklung wider: Seit Dezember 2022 verzeichnet Coursera über 18 Millionen Einschreibungen in Inhalte rund um generative KI. Der Nachweis solcher Kenntnisse zählt auch bei der Personalauswahl. So würden 60 Prozent der Arbeitgeber eine weniger erfahrene Person mit GenAI-Zertifikat einer erfahreneren ohne ein solches vorziehen.
Micro-Credentials zahlen auf den Berufseinstieg ein
Für Bewerbende zeigt sich der Nutzen im Berufseinstieg: 87 Prozent der Hochschulabsolvent:innen mit Micro-Credentials finden innerhalb von zwölf Monaten eine Stelle im angestrebten Berufsfeld. 83 Prozent der bereits Beschäftigten geben an, dass das Zertifikat eine wesentliche Rolle bei der Einstellung gespielt hat. Auch Arbeitgeber erkennen den Effekt: 92 Prozent berichten, dass neu eingestellte Personen mit Micro-Credentials im ersten Jahr bessere Leistungen zeigen.
"In den kommenden zehn Jahren treten weltweit mehr als 1,2 Milliarden Menschen neu in den Arbeitsmarkt ein, während sich zugleich rund 60 Prozent der bereits Erwerbstätigen neu qualifizieren müssen", sagt Marni Baker Stein, Chief Content Officer bei Coursera. "Der Report zeigt, dass berufsbezogene Micro-Credentials helfen, diesen beispiellosen Kompetenzbedarf zu decken – mit messbarem Ertrag für Studierende, Arbeitgeber und die Hochschulen, die sie anbieten."
Hochschulen unter Innovationsdruck
Auch Hochschulen müssen ihr Angebot anpassen. Laut Report sehen 59 Prozent der Hochschulverantwortlichen weltweit ein moderates bis erhebliches strategisches Risiko für Einrichtungen, die keine Micro-Credentials in ihre Studiengänge integrieren. 81 Prozent stimmen zu, dass eingebettete Micro-Credentials dabei helfen, Lehrpläne schneller zu aktualisieren. Das Interesse ist auch bei Studierenden hoch: Rund doppelt so viele dürften sich für ein Programm mit anrechenbaren Micro-Credentials einschreiben (71 Prozent gegenüber 35 Prozent bei Programmen ohne ein solches Angebot).
Die Qualität eines Micro-Credentials hängt vor allem an folgenden Merkmalen:
- Industrie-Ausrichtung: 82 Prozent der Arbeitgeber schätzen mit Industriepartnern entwickelte Micro-Credentials deutlich höher als rein akademische Angebote.
- Anrechenbarkeit auf Studienleistungen: 82 Prozent der Hochschulabsolvent:innen mit anrechenbaren Micro-Credentials berichten von Gehaltssteigerungen um zehn Prozent oder mehr, gegenüber 60 Prozent bei nicht anrechenbaren Nachweisen.
- Praxisbezug: 82 Prozent der Studierenden und 88 Prozent der Hochschulabsolvent:innen bevorzugen projekt- oder industriebasierte Micro-Credentials gegenüber Zertifikaten ohne Praxisanteil.