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Richtungsentscheidung

KI in Hochschulprüfungen erlaubt – AI Literacy wird zur Grundkompetenz

Anthony Salcito, General Manager Enterprise bei Coursera
München, Juli 2026 - Während über das Verbot von Künstlicher Intelligenz an Hochschulen debattiert wird, hat Bayern eine Richtungsentscheidung getroffen und per Kabinettsbeschluss den Weg dafür freigemacht, die Nutzung von KI in Prüfungen künftig zuzulassen. Dabei entscheidet weniger der Beschluss als die Frage, wie souverän Studierende mit der Technologie umgehen. Denn viele nutzen KI nicht nur, sondern setzen sich bereits aktiv mit ihrem verantwortungsvollen Einsatz auseinander.

So ist AI Literacy – die Fähigkeit, KI-Systeme souverän und verantwortungsvoll zu nutzen – bei Studierenden weltweit die am zweithäufigsten belegte GenAI-Kompetenz. Das geht aus einer Auswertung studentischer Einschreibungen auf der Online-Lernplattform Coursera von Januar bis Juni 2026 hervor. Die Prioritäten gleichen sich dabei über Ländergrenzen hinweg: Auch in Deutschland belegen Studierende dieselben Kompetenzen, angeführt von GenAI, AI Literacy und Prompt Engineering.

Verantwortungsvoller Umgang gewinnt für viele an Bedeutung
Da KI im Arbeitsalltag selbstverständlich wird, entscheidet immer weniger die bloße Bedienung über ihren Mehrwert, sondern wie kompetent und verantwortungsvoll man sie einsetzt. So haben governance-nahe Fähigkeiten nicht nur unter Studierenden, sondern bei deutschen Lernenden insgesamt spürbar an Bedeutung gewonnen: "Responsible AI", das den ethischen und verantwortungsvollen Einsatz von KI beschreibt, ist im Ranking der meistbelegten Fähigkeiten 2025 im Vergleich zum Vorjahr von Platz 24 auf Platz 7 aufgestiegen; "Prompt Engineering" von Platz 16 auf Platz 5. Lernende erwerben damit nicht allein den Umgang mit KI-Tools, sondern verbessern auch ihre Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu prüfen.

Neue Formate zur Integritätsprüfung
Genau diese Urteilsfähigkeit sollten daher auch Hochschulen verstärkt in den Blick nehmen: Wer KI zulässt, muss auch sicherstellen, dass Studierende ihre Leistungen weiterhin eigenständig erbringen. Auf diesen Bedarf an neuen Prüfungsformaten verweist auch das bayerische Wissenschaftsministerium.
In der Praxis verlagert sich die Bewertung dabei vom fertigen Text hin zum Entstehungsprozess: Modelle wie das an deutschen Hochschulen diskutierte 3-P-Konzept (Produkt, Präsentation, Prozess) ergänzen die schriftliche Arbeit um eine mündliche Verteidigung, in der Studierende ihr Verständnis belegen. Online-Lernplattformen haben darauf bereits reagiert – etwa mit KI-gestützten Verteidigungsprüfungen, die frei formulierte Antworten analysieren und über personalisierte Folgefragen die Eigenständigkeit studentischer Leistungen überprüfen.
"Mit der Entscheidung, KI in Prüfungen zuzulassen, geht Bayern einen wichtigen Schritt. Denn Studierende lernen heute nicht nur, KI zu bedienen, sondern auch, ihre Ergebnisse kritisch einzuordnen und verantwortungsvoll einzusetzen", so Anthony Salcito, General Manager Enterprise bei Coursera.
"Hochschulen sollten diese Fähigkeit daher sichtbar machen und gezielt bewerten, statt den Zugang zur Technologie zu beschränken. Vor diesem Hintergrund sollte der Fokus auf Bewertungsmethoden gelegt werden, die tatsächliches Können erkennbar machen und Studierende zugleich auf einen Arbeitsmarkt vorbereiten, in dem der souveräne Umgang mit KI ohnehin zunehmend vorausgesetzt wird. So erwarten bereits 72 Prozent der Tech-Führungskräfte von neuen Mitarbeitenden, dass sie generative KI auf ihre Arbeit anwenden können – unabhängig von ihrer konkreten Position."