Virtuelle Hochschule Bayern: KI erfolgreich in Online-Kursen erprobt
Dr. Steffi Widera, Geschäftsführerin der vhb, zieht eine positive Bilanz des Programms: "Wir haben das Projekt mit einer ersten Förderrunde im Jahr 2024 gestartet, um flexibel auszuprobieren, welche KI-Tools in welchen Lehr- und Lernsettings einen echten Mehrwert bieten. Dabei stand das Experimentieren im Vordergrund. Scheitern war ausdrücklich erlaubt, denn nur so generieren wir wertvolle Learnings für die Praxis".
Große Bandbreite an KI-Projekten evaluiert
Die Bandbreite der geförderten Projekte reichte von der Integration von KI-gestützten Tutorensystemen über Anwendungen zur Analyse medizinischer Bilddaten bis hin zu digitalen Sprach- und Dialogtrainern. Weitere Projekte setzten KI gezielt zur Unterstützung von Recherche, Wissensstrukturierung und kritischer Analyse ein. Ziel des Förderprogramms war es, neue Lerninhalte, innovative Lehransätze und zukunftsweisende Wege des Lernens für die asynchrone Online-Lehre zu erschließen.
Von den Entwicklungen profitieren sowohl Studierende bayerischer Hochschulen, die die curricularen CLASSIC vhb-Kurse nutzen, als auch Weiterbildungsinteressierte weltweit über die frei zugänglichen OPEN vhb-Angebote. Im Mittelpunkt der Förderung standen praktische Ansätze zur Integration bestehender KI-Systeme, zur Erweiterung von Datenbasen sowie zum Training KI-gestützter Anwendungen im Kontext der Hochschullehre.
Ein zentrales Element des Programms waren verpflichtende Begleitanalysen und Evaluationen zur Wirksamkeit des KI-Einsatzes. Untersucht wurde unter anderem, in welchen Bereichen KI die asynchrone Online-Lehre besonders unterstützen kann, etwa bei der Individualisierung von Lernprozessen, der Förderung von Engagement und kritischem Denken oder beim Lernerfolg.
Perspektiven aus Forschung und Hochschulleitung
Die Abschlusstagung wurde von Prof. Dr. Kai Fischbach, Präsident der Universität Bamberg und seit dem 1. April auch der Virtuellen Hochschule Bayern, eröffnet. In seiner Begrüßung betonte er die Bedeutung innovativer Formate für die Zukunft der Hochschullehre und verwies auf den disruptiven Einfluss künstlicher Intelligenz in diesem Zusammenhang: "KI ist zu einem Alltagswerkzeug geworden und verändert bereits heute, wie wir forschen, lehren und lernen. Wir müssen uns grundsätzliche Gedanken darüber machen, wie wir damit umgehen wollen, und uns beispielsweise fragen, wie Lehr- und Prüfungsformate in Zukunft aussehen sollen."
Die Keynote „Vom Experiment zur Infrastruktur: Skalierung, Governance und Evaluation von KI-Systemen in der Hochschullehre“ hielt Prof. Dr. Hendrik Drachsler, einer der führenden Experten für Educational Technologies und Learning Analytics. Er beleuchtete den Weg von KI-Anwendungen von ersten Pilotprojekten hin zu nachhaltigen Strukturen: "Der Taschenrechner hat verändert, wie wir rechnen. KI verändert aber möglicherweise was wir unter Denken, Lernen und Wissen verstehen. Was lernen wir also? KI ist nicht gleich verbessertes Lernen. Das pädagogische Design ist absolut entscheidend - mehr als das Large Language Model, das Lehrende einsetzen. Gute Lehre hat immer noch mehr Impact auf die Studierenden als irgendein KI-Modell."
Didaktik und Innovation gehen Hand in Hand
Im Fokus der Tagung standen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung, die in sechs Panels präsentiert wurden. Themen waren unter anderem Forschungs- und Befragungsdesigns der Evaluationen, Auswirkungen von KI auf Lehrveranstaltungsdesign und -durchführung sowie die Akzeptanz KI-gestützter Lernangebote. Darüber hinaus wurde die Qualität von KI-Interaktionen und der pädagogische Mehrwert interaktiver KI-Anwendungen analysiert. Die Tagungsbeiträge selbst wurden KI-gestützt live ausgewertet und von der KI zusammengefasst. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen in die Abschlussdiskussion ein und wurden dort kritisch reflektiert.
Die Projektergebnisse verdeutlichen: KI ist zum integralen Bestandteil der Hochschullehre geworden und kann sie substanziell weiterentwickeln, wenn didaktische Expertise, technologische Innovation und wissenschaftliche Evaluation Hand in Hand gehen. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen zudem in einen Tagungsband ein, der den systematischen Einsatz von KI in der asynchronen Online-Lehre auch über die Landesgrenzen hinaus sichtbar machen wird.