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"Neustart:Schule"

Pilotprojekt fördert Krisenkompetenz in Schulen

Köln, Juli 2026 - Mit einem Simulationsspiel erleben Schüler:innen die Herausforderungen eines großflächigen Stromausfalls und lernen, im Krisenfall Verantwortung zu übernehmen. Forschende der Universität zu Köln begleiten das Projekt "Neustart:Schule" wissenschaftlich.

Wie können Gesellschaften Resilienz entwickeln gegenüber Extremwetterereignissen, Cyberangriffen oder dem Ausfall kritischer Infrastruktur – und wie kann man junge Menschen auf solche Krisen und Bedrohungen vorbereiten? Um diese Fragen geht es in dem neuartigen Bildungsprojekt "Neustart:Schule", das Forschende des Instituts für Physikdidaktik der Universität zu Köln mit dem Helmholtz-Gymnasium Essen sowie Partnern aus den Bereichen Energieversorgung, Bevölkerungsschutz, Verwaltung, Bundeswehr und Kirche entwickelt haben. Es soll Schüler:innen dazu befähigen, die Krise nicht als Zuschauer zu erleben, sondern Zusammenhänge zu verstehen, aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Erstmals wird dabei ein im Katastrophenschutz oder bei Rettungsdiensten üblicher simulationsbasierter Lernansatz auf ein schulisches Umfeld übertragen.

Das Pilotprojekt basiert auf dem Szenario-Brettspiel Neustart und simuliert den kommunalen Krisenstab einer Kleinstadt bei einem Stromausfall. Dieser hat die Aufgabe, die Versorgung der Bevölkerung, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Schüler:innen im Alter von 15 und 16 Jahren schlüpfen dabei in unterschiedliche Rollen, treffen Entscheidungen unter Unsicherheit und erleben die Folgen ihres Handelns unmittelbar.

"Mit 'Neustart:Schule' schaffen wir einen Lernraum, in dem Schüler:innen naturwissenschaftliche Zusammenhänge nicht nur theoretisch kennenlernen, sondern deren Bedeutung für das Funktionieren unserer Gesellschaft unmittelbar erfahren können", sagt Professor Dr. André Bresges von der Universität zu Köln. Gleichzeitig eröffne das Projekt die Möglichkeit, neue Formen des Lernens zu erproben. "Wir wollen besser verstehen, wie junge Menschen komplexe gesellschaftliche Herausforderungen wahrnehmen und welche Kompetenzen durch simulationsbasierte Lernformate gefördert werden können."

Die erste Realsimulation fand am 14. Juli 2026 in Essen statt. Als Gastgeber stellte der Energieversorger Westnetz mit seinem Regionalzentrum einen authentischen Lernort zur Verfügung. Am folgenden Tag besuchten die Schüler:innen weitere beteiligte Organisationen wie die Kraftwerksschule, das Technische Hilfswerk Essen, die Feuerwehr sowie die kirchliche Notfallseelsorge vor Ort, um Einblicke in deren Arbeitsweise zu erhalten sowie neue Perspektiven auf gesellschaftliches Engagement und die Bedeutung von Zusammenarbeit in einer komplexen Welt zu gewinnen.

"Ein besonderes Interesse gilt dabei auch der Frage der Übertragbarkeit", so Professor Bresges. Denn Realsimulationen ermöglichen zwar intensive Lern- und Selbstwirksamkeitserfahrungen, sind jedoch häufig mit einem hohen personellen und organisatorischen Aufwand verbunden. Daher gehen die Forschenden auch der Frage nach, wie zentrale Elemente solcher Formate langfristig in schulische Bildungsprozesse integriert und für weitere Schulen nutzbar gemacht werden können. "Ein Schlüssel dafür liegt, wie beim gesamten Thema Resilienz, in der Zusammenarbeit verschiedener Bereiche", sagt Professor Bresges.

Im Projekt Neustart:Schule untersuchen die Forschenden, welche Wirkung es hat, wenn Jugendoffiziere der Bundeswehr, Freiwillige des Technischen Hilfswerks und Ausbilder der Kraftwerksschule die Lehrkräfte bei der Simulation entlasten und sie als ausgebildete Spielleiter*innen für Neustart:Schule im Unterricht unterstützen. Dabei werden neben der Zusammenarbeit unter Stressbedingungen auch Eindrücke über das jeweilige Berufsbild vermittelt: Schüler:innen lernen die Menschen in den Uniformen kennen. "Eine Lerngelegenheit, die aus unserer Sicht gerade für unsere Einsatzkräfte noch nicht ausreichend erforscht wurde", so Professor Bresges.

Das Format wird in Schulen des Ruhrgebietes pilotiert und rechtzeitig zum Start der Projektkurse der reformierten Oberstufe im Schuljahr 2027/28 in die Ausbildungsregion Köln übertragen. Schulen, die sich für das Format zur Planung ihrer Projektkurse interessieren, werden gebeten, sich an die unten angegebenen Adressen zu wenden.