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Zusammenarbeit

Warum KI im Mittelstand zwischen Geschäftsführung und IT stecken bleibt

Artur Heidt, Geschäftsführer der KAMIE Solution Factory Deutschland GmbH
Lübeck, August 2026 - Künstliche Intelligenz hat sich innerhalb weniger Jahre von einem Zukunftsthema zu einem der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren der Wirtschaft entwickelt. Inzwischen nutzen 41 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI, weitere 48 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz. Doch während Unternehmen weltweit Milliardenbeträge in KI investieren und immer mehr Geschäftsprozesse automatisieren, bleibt der Mittelstand häufig hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Potenziale werden erkannt, erste Ideen entstehen – doch viele Projekte kommen nicht über die Planungsphase hinaus.

Die Folge: wertvolle Zeit geht verloren, während Wettbewerber ihre Prozesse bereits effizienter und produktiver gestalten. "Zwischen strategischer Vision und technischer Umsetzung entsteht eine Lücke, in der zahlreiche KI-Initiativen ins Stocken geraten", erklärt Artur Heidt, Geschäftsführer der KAMIE Solution Factory Deutschland GmbH. Dabei zeigt sich immer deutlicher: Nicht die Technologie ist der Engpass – sondern die Zusammenarbeit im Unternehmen.

Zwei Perspektiven – ein gemeinsames Ziel
Trotz der Potenziale stehen 51 Prozent der Unternehmen deshalb immer noch vor Problemen bei der digitalen Transformation und 13 Prozent sehen sich sogar existenziell bedroht. Die Haupthindernisse beim Einsatz von KI sind dabei fehlendes internes Know-how sowie rechtliche Unsicherheiten und Datenschutzbedenken. Nach wie vor liegt ein wesentlicher Grund dafür auch in der unterschiedlichen Perspektive von Geschäftsführung und IT-Abteilung.
Die Unternehmensleitung betrachtet KI vor allem als Instrument zur Steigerung von Effizienz, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Die Erwartung: möglichst schnell messbare Ergebnisse und ein zügiger Return on Investment. Die IT hingegen beschäftigt sich mit den praktischen Herausforderungen der Umsetzung. Sie muss bestehende Systeme integrieren, Datenschutz gewährleisten, Datenqualität sicherstellen und gleichzeitig den laufenden Betrieb aufrechterhalten. "Was aus Sicht der Geschäftsführung wie ein kurzfristig realisierbares Projekt erscheint, ist aus technischer Perspektive häufig ein komplexes Transformationsvorhaben. KI-Projekte sind selten reine IT-Projekte. Ihr eigentlicher Nutzen entsteht dort, wo Geschäftsprozesse verbessert oder neu gestaltet werden", weiß Heidt. Dennoch werden viele Initiativen ausschließlich an die IT delegiert. Ohne die aktive Beteiligung der Fachbereiche fehlen jedoch das notwendige Prozesswissen und eine klare Definition der tatsächlichen Anforderungen.
Das Ergebnis ist ernüchternd: Technische Lösungen funktionieren zwar, bleiben aber häufig hinter den wirtschaftlichen Erwartungen zurück, weil sie die eigentlichen Geschäftsprozesse nicht ausreichend berücksichtigen. So ergab auch eine CEO-Studie aus dem Jahr 2025 des IBM Institute for Business Value, dass nur 16 Prozent der KI-Initiativen im gesamten Unternehmen erfolgreich skaliert werden. Der Großteil verharrt in der Experimentierphase.

Datenqualität als unterschätzter Erfolgsfaktor
Leistungsfähige KI beginnt nicht mit Algorithmen – sondern mit Daten. Genau hier unterschätzen viele Unternehmen den tatsächlichen Aufwand. Leistungsfähige KI-Systeme benötigen konsistente, strukturierte und qualitativ hochwertige Daten. "In vielen mittelständischen Unternehmen sind Informationen jedoch über verschiedene Anwendungen verteilt oder liegen in unterschiedlichen Formaten vor. Bevor intelligente Anwendungen produktiv eingesetzt werden können, gilt es zunächst, Daten zu harmonisieren, Schnittstellen zu schaffen und Verantwortlichkeiten zu definieren", so der Experte.
Genau diese Vorarbeiten verschlingen häufig einen erheblichen Teil der Projektzeit – werden in der Planung jedoch regelmäßig unterschätzt. Wer diesen Schritt überspringt, schafft zwar KI-Anwendungen, nicht jedoch verlässliche Ergebnisse. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist eine realistische Erwartungshaltung. KI stellt kein universelles Werkzeug dar, welches die bestehenden Probleme automatisch löst. Sie unterstützt Entscheidungen, automatisiert wiederkehrende Aufgaben und analysiert große Datenmengen mit hoher Geschwindigkeit. Strategische Entscheidungen, fachliche Bewertungen und die Verantwortung für Ergebnisse verbleiben jedoch beim Menschen.
Unternehmen, die KI als Ergänzung der vorhandenen Kompetenzen verstehen, erzielen in der Regel nachhaltigere Erfolge als diejenigen, die auf kurzfristige Effekte hoffen. KI ersetzt keine Strategie – sie macht eine gute Strategie wirksamer.

Der Mensch entscheidet über den Erfolg
Neben den technischen Voraussetzungen spielt die Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle. Mitarbeitende begegnen neuen Technologien häufig mit Unsicherheit. Die Sorge vor Veränderungen oder dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes kann dazu führen, dass neue Lösungen nur zögerlich Anklang finden. "Transparente Kommunikation, frühzeitige Einbindung der Beschäftigten und gezielte Qualifizierungsmaßnahmen schaffen Vertrauen und fördern die Bereitschaft, neue Arbeitsweisen zu akzeptieren. KI entfaltet ihren Nutzen erst dann vollständig, wenn sie von den Menschen im Unternehmen als Unterstützung wahrgenommen wird", erläutert Heidt. Denn selbst die leistungsfähigste KI bleibt wirkungslos, wenn sie im Arbeitsalltag nicht akzeptiert oder genutzt wird.
Erfolgreiche mittelständische Unternehmen verfolgen deshalb einen pragmatischen Ansatz. Statt umfangreiche Transformationsprogramme zu starten, identifizieren sie zunächst konkrete Anwendungsfälle mit erkennbarem Nutzen. Pilotprojekte ermöglichen es, Erfahrungen zu sammeln, Ergebnisse messbar zu machen und Akzeptanz innerhalb der Organisation aufzubauen. So entstehen schnelle Erfolge, die Vertrauen schaffen und den Weg für weitere KI-Projekte ebnen. Auf dieser Grundlage lässt sich der Einsatz von KI schrittweise auf weitere Geschäftsbereiche ausweiten.

Zusammenarbeit statt Zuständigkeitsdenken
Entscheidend bleibt eine klare Rollenverteilung: Die Geschäftsführung definiert die strategischen Ziele und priorisiert Investitionen. Die Fachbereiche beschreiben Prozesse und Anforderungen aus operativer Sicht. Die IT schafft die technische Grundlage für eine sichere, skalierbare und nachhaltige Umsetzung. Erst wenn diese drei Ebenen eng zusammenarbeiten, kann KI ihr Potenzial vollständig entfalten. "Der Mittelstand verfügt über beste Voraussetzungen, um von künstlicher Intelligenz zu profitieren. Kurze Entscheidungswege, hohe Fachkompetenz und eine ausgeprägte Kundennähe ermöglichen häufig schnellere Veränderungen als in großen Konzernen", führt der Experte an. Gerade diese Agilität kann sich zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil entwickeln – vorausgesetzt, Strategie, Fachbereiche und IT ziehen an einem Strang.
Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt daher nicht allein in der Auswahl der richtigen Technologie, sondern in einer gemeinsamen Strategie, die wirtschaftliche Ziele, fachliche Anforderungen und technische Umsetzung miteinander verbindet. Wer KI nicht länger als reines IT-Projekt betrachtet, sondern als unternehmerische Aufgabe versteht, schafft die Voraussetzung für messbare Wettbewerbsvorteile. Dort, wo diese Zusammenarbeit gelingt, entwickelt sich KI vom diskutierten Zukunftsthema zu einem echten Wachstumsmotor.