UbiCast und digitale Souveränität im europäischen Hochschulbereich
In diesem Kontext treibt UbiCast seine europäische Entwicklung voran. Das Unternehmen wurde Ende 2007 in Frankreich gegründet und ist seit 2010 kommerziell tätig. Schon früh richtete UbiCast den Blick über den französischen Markt hinaus. 2012 kamen die ersten Kunden außerhalb Frankreichs hinzu, 2013 die ersten Kunden in Deutschland. Seitdem hat sich UbiCast dauerhaft in Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und Irland etabliert. Anfang 2026 beschloss das Unternehmen, seine Aktivitäten in Deutschland, Italien und Spanien weiter auszubauen.
Im Mittelpunkt dieser Strategie steht Nudgis, die private Videoplattform von UbiCast, die insbesondere auf die Anforderungen von Hochschulen zugeschnitten ist. Sie ermöglicht es Einrichtungen, Lehr- und Lernvideos zu produzieren, zu hosten, zu verwalten sowie live oder on demand bereitzustellen und in bestehende digitale Lernumgebungen und Lernmanagementsysteme (LMS) zu integrieren.
Für UbiCast bedeutet digitale Souveränität jedoch mehr als die geografische Herkunft eines Anbieters. Sie umfasst auch die Fähigkeit der Hochschulen, die Kontrolle über ihre Daten und ihre technologischen Entscheidungen zu behalten. Ebenso wichtig ist die Reversibilität einer Lösung, damit Hochschulen die Freiheit behalten, ihre Systeme weiterzuentwickeln oder die eingesetzte Lösung zu wechseln. UbiCast betreibt seine Forschung und Entwicklung in Europa und setzt für die Bereitstellung seiner Services auf eine europäische Infrastruktur und europäische Technologiepartner.
Ein solcher Ansatz setzt zugleich eine hohe Interoperabilität mit den bereits vorhandenen Systemen voraus. Ziel ist nicht, Hochschulen ein neues Umfeld vorzugeben, sondern bestehende digitale Umgebungen beizubehalten und gezielt um neue Dienste zu ergänzen. In diesen Kontext fügt sich auch die kürzlich erfolgte Zertifizierung von Nudgis als „Moodle Certified Integration“ ein. Sie bestätigt die Qualität der Integration mit einem der im akademischen Umfeld am weitesten verbreiteten Open-Source-Lernmanagementsysteme. Darüber hinaus lässt sich Nudgis auch in weitere etablierte LMS wie ILIAS, OpenOLAT und Open edX integrieren. Integrationen, die UbiCast gemeinsam mit den jeweiligen Ökosystemen geprüft und validiert hat.
Neben Interoperabilität und offenen Standards spielt bei der praktischen Umsetzung digitaler Souveränität jedoch noch ein weiterer Faktor eine Rolle: der Betriebsaufwand. Open Source spielt für souveräne digitale Infrastrukturen eine wichtige Rolle. Offener Code und offene Standards schaffen Transparenz, können Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern reduzieren und sind an europäischen Hochschulen seit Jahren fester Bestandteil der IT-Landschaft. Digitale Souveränität bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Hochschulen ihre gesamte Infrastruktur selbst betreiben müssen. Betrieb, Wartung, Sicherheitsupdates und Anwendersupport binden dauerhaft personelle und zeitliche Ressourcen.
Open-Source-Software und betreute Dienste schließen sich dabei nicht aus. Entscheidend ist vielmehr das Betriebsmodell: Welche Aufgaben möchte eine Hochschule selbst übernehmen und welche an einen spezialisierten Anbieter auslagern? Ein betreutes Angebot wie Nudgis kann den operativen Aufwand reduzieren, während die Hochschule die Kontrolle über ihre Daten und ihre technologischen Entscheidungen behält. Wie sich Open Source und betreute Dienste ergänzen können, zeigt beispielsweise das Zusammenspiel von Moodle und Nudgis.
"Digitale Souveränität entscheidet sich nicht in Grundsatzdebatten, sondern im Semesterbetrieb. Eine Hochschule braucht eine Plattform, die schnell produktiv einsetzbar ist, sich in ihre bestehende Umgebung einfügt und die sie jederzeit wieder verlassen kann. Open Source spielt dabei eine wichtige Rolle, und wir setzen bewusst auf offene Standards und die Zusammenarbeit mit Open Source-Ökosystemen. Aber Souveränität darf nicht bedeuten, dass eine Hochschule alles selbst aufbauen muss.", so Jean-Marie Cognet, CEO und Gründer von UbiCast.
Mit der wachsenden Bedeutung digitaler Souveränität in den Strategien europäischer Hochschulen könnten sich auch die Kriterien für die Auswahl technologischer Lösungen verändern. Neben Funktionsumfang, Nutzererfahrung und Kosten dürften künftig auch Datenhoheit, Interoperabilität, Reversibilität und die Herkunft der zugrunde liegenden Infrastruktur eine stärkere Rolle spielen.
UbiCast möchte zu dieser Entwicklung beitragen und zeigen, dass ein europäischer Anbieter eine Videoplattform für die Hochschullehre auf internationalem Niveau bereitstellen und Hochschulen zugleich mehr Kontrolle und Freiheit bei der Weiterentwicklung ihrer digitalen Umgebung ermöglichen kann.