KI-Avatare im industriellen Anlagentraining
Der Ansatz adressiert eine praktische Herausforderung industrieller Qualifizierung: Bei verteilten Standorten treffen zentral organisierte Schulungen auf Anlagen, die sich in Aufbau und Abläufen unterscheiden können. Gleichzeitig lassen sich sicherheitsrelevante Prozeduren und Störfallszenarien an realen Anlagen häufig nur eingeschränkt üben, ohne den laufenden Betrieb zu beeinflussen oder zusätzliche Risiken zu erzeugen. Virtuelle Nachbildungen ermöglichen es, solche Abläufe wiederholt und unter unterschiedlichen Szenarien zu trainieren.
"Eine Unterschrift auf einer Teilnehmerliste bildet nicht zwangsläufig eine Fähigkeit ab", erklärt Michele C. Fuhs, Gründer und Geschäftsführer der Circle4XR GmbH. "Entscheidend ist, ob ein Handgriff im Ernstfall sitzt, und das erreicht man durch Wiederholung, nicht durch Vermittlung. An einer realen Anlage kann diese Wiederholung teuer, selten oder schlicht zu gefährlich sein, deshalb verlagern wir sie in eine Umgebung, in der ein Fehler folgenlos bleibt. Was am Ende zählt, ist nicht die Technologie, sondern dass jemand nach dem Training weiß, was er tut."
Je nach Trainingsaufbau lassen sich einzelne Handlungsschritte im virtuellen Raum dokumentieren und auswerten. Dadurch wird sichtbar, an welchen Stellen Teilnehmende zögern, Fehler machen oder einen Ablauf erneut trainieren sollten. Die Auswertung ergänzt die reine Dokumentation einer Schulung um Informationen darüber, wie definierte Aufgaben im Training tatsächlich ausgeführt wurden.
KI ergänzt trainergeführte XR-Programme
Die umfangreicheren XR-Programme von Circle4XR werden bislang von realen Trainern begleitet. Für einen italienischen Multi-Utility-Konzern hat das Unternehmen drei Gasanlagen im Maßstab 1:1 virtualisiert. Trainer führen Gruppen durch die virtuellen Anlagen, während Techniker selbstständig mit wechselnden Fehlerszenarien üben.
Für einen international tätigen Energiekonzern wurden fünf Forschungslabore vollständig virtualisiert. In einem weiteren umgesetzten Programm nahmen 55 Mitarbeitende aus 14 Ländern an einem gemeinsamen Trainingsdurchgang teil.
Der KI-Avatar ergänzt dieses bestehende Trainingsmodell zunächst in klar definierten, wiederholbaren Modulen. Umfangreichere Programme bleiben trainerbegleitet. Perspektivisch soll der digitale Trainer auch über eine vollständige Trainingslösung hinweg eingesetzt werden.