Adaptive Lernsettings: Wie bewährt sich KI beim Lernen?
Erprobung unter realen Bedingungen
Die Testversion bietet zunächst Lernpfade für Deutsch und Mathematik in den Klassen 5 beziehungsweise 6. Lernende erhalten passende Aufgaben und individuelle Hilfestellungen von einem KI-Tutor, während Lehrkräfte Lern- und Arbeitsstände einsehen und daraus individuelle Unterstützungsbedarfe ableiten können.
"Wir erproben AIS bewusst schon während der Entwicklung im Schulalltag. Erst dort zeigt sich, ob die Funktionen und Inhalte Lehrkräfte und Lernende tatsächlich unterstützen. Ihre Erfahrungen sind entscheidend dafür, wie wir das System weiterentwickeln", sagt Martin Traupe, Referatsleiter in der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung des federführenden Landes Hamburg.
Chancengleichheit und digitale Souveränität stärken
Die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse von PISA 2025 verdeutlichen den Bedarf an gezielter Förderung: In Deutschland fielen die Leistungen der 15-Jährigen in Mathematik und Lesekompetenz gegenüber 2022 ab. In den Naturwissenschaften zeigte sich zudem ein großer Leistungsunterschied zwischen Jugendlichen aus den sozioökonomisch am stärksten benachteiligten und am stärksten begünstigten Gruppen. Hier setzen KI-gestützte adaptive Systeme an: Sie berücksichtigen den jeweiligen Lernstand und bieten Lernenden darauf abgestimmte Aufgaben, Lernwege und Hilfestellungen an. Lehrkräfte können Lernstände und Förderbedarfe besser erkennen und Schülerinnen und Schüler gezielter unterstützen und begleiten. Wie AIS Lehrkräfte perspektivisch bei der individuellen Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler unterstützen kann, soll in der Pilotphase erprobt werden.
Mit AIS verfolgen die 16 Bundesländer auch ein strategisches Ziel: Sie wollen beim Einsatz von KI in Schulen nicht von den Angeboten großer Technologieunternehmen abhängig sein. Stattdessen möchten sie die Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI und den Umgang mit Lerndaten selbst gestalten. Die gemeinsame Entwicklung soll die digitale Souveränität im Bildungsbereich stärken und Schülerinnen und Schülern unabhängig von Wohnort und finanziellen Mitteln Zugang zu persönlicher Unterstützung eröffnen.
Nutzendenzentrierte Entwicklung
Die frühe Erprobung soll Erkenntnisse zur didaktischen Passung, zur Qualität der Inhalte und zur technischen Funktionalität liefern. Rückmeldungen der Beteiligten sowie die im Rahmen der freigegebenen Zwecke erhobenen Daten sollen ausgewertet werden und dazu beitragen, die adaptiven Funktionen von AIS kontinuierlich zu verbessern und Lernenden passende Lernwege, Aufgaben und Hilfestellungen anzubieten.
Begleitend untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Bildungsforschung, wie AIS von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern im Unterrichtsalltag genutzt und wahrgenommen wird. Die Teilnahme an der Umfrage erfolgt ausschließlich auf Grundlage einer freiwilligen Einwilligung. Die Ergebnisse sollen weitere Hinweise für die Weiterentwicklung des Systems liefern. Eine pädagogische Fachgruppe begleitet das Projekt aus didaktischer und schulpraktischer Perspektive.
Über das Adaptive Intelligente System (AIS)
Das Projekt AIS wird vom FWU im Auftrag der 16 Bundesländer umgesetzt. Die technische Entwicklung des Systems übernimmt ein Konsortium aus über 20 Unternehmen und Forschungseinrichtungen, geführt von der Assecor GmbH gemeinsam mit der KI macht Schule gGmbH. Ziel ist es, eine digitale Lernumgebung für Schulen bereitzustellen, die Schülerinnen und Schüler in ihrem individuellen Lernprozess unterstützt und Lehrkräften transparente Einblicke in Diagnostik und gezielte Unterstützung bei der Unterrichtsplanung bietet. Im Zentrum steht eine adaptive Logik, die Lernenden passende Aufgaben vorschlägt (Makroadaptivität) und sie durch gezielte Rückmeldungen kleinschrittig unterstützt (Mikroadaptivität), ohne Lösungen vorwegzunehmen. Lehrkräfte behalten dabei jederzeit die pädagogische Entscheidungshoheit.