Wie kuratierte Lernpfade in der IT-Praxis funktionieren
Ein offener Kurskatalog reicht für den Quereinstieg nicht
Quereinsteiger starten mit sehr unterschiedlichem Vorwissen. Ein Teil von ihnen hat bereits praktisch in IT-Projekten gearbeitet, ohne dafür ausgebildet zu sein. Andere haben eine Berufsausbildung außerhalb der IT abgeschlossen, sich über einen Intensivkurs qualifiziert oder sich das benötigte Wissen selbst angeeignet. Entsprechend unterschiedlich fallen die Wissenslücken aus, und viele Beschäftigte können zu Beginn selbst nicht genau einschätzen, wo diese liegen.
Ein breiter Kurskatalog hilft in dieser Situation wenig. Wer die eigenen Defizite nicht kennt, wählt Kurse nach Interesse statt nach Bedarf und bearbeitet Inhalte, die im aktuellen Projekt keine Rolle spielen. Benötigt wird stattdessen eine Vorauswahl, die zum Vorwissen und zum Projekt passt.
Was kuratierte Lernpfade leisten
An dieser Stelle setzen Lernpfade an. Ein Lernpfad ist eine von Fachexperten zusammengestellte Lernsequenz für eine bestimmte Rolle und ein bestimmtes Vorwissen. Er gibt eine Reihenfolge vor und kombiniert die relevanten Bausteine mehrerer Kurse, ohne dass vollständige Kurse durchgearbeitet werden müssen. Plattformen wie Udemy Business bündeln dafür auch einzelne Kursabschnitte statt ganzer Kurse.
Für Quereinsteiger hat das zwei Vorteile. Der Pfad setzt an ihrem tatsächlichen Kenntnisstand an, und er richtet das Lernen an den Anforderungen des Projekts aus, in dem sie eingesetzt werden sollen. Dafür lohnt es sich, ausreichend Aufwand in die Pflege zu investieren, denn IT-Wissen veraltet schnell und Lernpfade müssen regelmäßig überarbeitet werden.
Ein IT-Dienstleister setzt auf geprüfte Lernpfade
Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt ein international tätiger IT-Dienstleister. Der Dienstleister verfügte bereits über ein ausgebautes Personalentwicklungsprogramm, dessen Inhalte hauptsächlich von eigenen Fachexperten stammten. Die Beschäftigten arbeiten jedoch an verteilten Standorten, nutzen unterschiedliche Werkzeuge und sind mit stark variierenden Projektanforderungen konfrontiert. Unter diesen Bedingungen ließ sich Weiterbildung nur schwer passgenau anbieten. Das Unternehmen beließ es deshalb nicht bei der Freigabe eines breiten Kurskatalogs.
Heute stellen interne Fachexperten Lernpfade für konkrete Anforderungen zusammen und prüfen diese vor der Freigabe auf Qualität und Praxisnutzen. Anschließend werden die Pfade über das eigene Lernmanagement-System bereitgestellt. Hinzu kommen Inhalte in der jeweiligen Muttersprache, die den Zugang an den Auslandsstandorten erleichtern. Der kuratierte Pfad zahlt damit auf das ein, worauf es im Projektgeschäft ankommt, nämlich Mitarbeitende schnell in Kundenprojekte zu bringen.
Was das für die Personalstrategie bedeutet
Das Beispiel zeigt, worauf es ankommt, wenn Weiterbildung an unterschiedliche Ausgangslagen andocken soll. Das Vorgehen besteht darin, das Vorwissen zu erheben, dazu passende Lernpfade zu kuratieren, sie am Projektbedarf auszurichten und aktuell zu halten. Denn ob Quereinsteiger den IT-Bedarf decken, hängt davon ab, ob sie in vertretbarer Zeit projektfähig werden.