"Der Mittelstand geht sehr pragmatisch und zielorientiert vor" | CHECK.point eLearning
Erfolgreiche Konzepte

"Der Mittelstand geht sehr pragmatisch und zielorientiert vor"

Sünne EichlerLich, April 2017 - Sünne Eichler ist in der deutschen eLearning-Szene nicht nur aufgrund ihres beständigen Engagements für den Kongress der LEARNTEC bekannt. Viele Jahre eLearning-Markterfahrung ließen sie 2010 ihre "Beratung für Bildungsmanagement" gründen. CHECK.point eLearning fragte sie nach den Veränderungen im Beratungsprozess.

Die heutige Vielfalt der Möglichkeiten eLearning zu gestalten und einzusetzen, intensiviert den Beratungsprozess. Haben Unternehmen heute konkretere Vorstellungen als früher, wenn sie planen eLearning einzusetzen?

Sünne Eichler: Die Unternehmen sind auf jeden Fall besser vorbereitet als früher und haben sich grundsätzlich informiert. Das ist sehr gut. Häufig existiert eine grobe erste Idee. Hier gilt es, im Beratungsprozess die wirklichen Bedarfe herauszuarbeiten und das passende Konzept mit dem Kunden zu entwickeln. Sind die Vorstellungen im Vorfeld schon zu konkret, besteht die Gefahr, dass man die eigentlichen Anforderungen hinten anstellt und womöglich auf die "hippe Anwendung" springt, ungeachtet dessen, ob es meinem Konzept dienlich ist. Meine Empfehlung ist immer, sich zunächst die methodisch-didaktischen Anforderungen an Lernszenarien und digitale Lernangebote anzuschauen, dann organisatorische Fragen zu beantworten, z.B. was kann meine Organisation im Lern Design Prozess überhaupt selbst leisten, und erst dann macht man sich über die technischen Lösungen Gedanken.

Steigt der Druck auf die Unternehmen durch die generelle Digitalisierungsdiskussion auch digitale Weiterbildung anzubieten?

Sünne Eichler: Ich würde nicht unbedingt sagen, dass der Druck steigt. Aber die Unternehmen sind offener für digitale Bildungsangebote geworden. Ein Grund – neben der aktuellen Digitalisierungsdiskussion – ist sicher, dass es mittlerweile viele erfolgreiche eLearning- und Blended Learning-Konzept gibt und eLearning gelebte Praxis in viele Organisationen ist. Das hilft natürlich, dann von erfolgreichen Projekten zu lernen. Dazu kommt, dass die Unternehmen ihren Mitarbeitern immer schneller und immer mehr Lerninhalte vermitteln müssen. Das kann über kurz oder lang auf keine Fall mehr rein in Präsenz erfolgen und schon gar nicht nach dem Giesskannenprinzip. Flexible, individualisierte und bedarfsorientierte Qualifizierung ist die Zukunft – und da drängen sich natürlich digitale Lernangebote in ihrer ganzen Vielfalt auf.

Wie reagiert der Mittelstand?

Sünne Eichler: Viele meiner Kunden sind mittelgroße und große Mittelständler. Die haben das Thema erkannt – vor allem weil viele weltweite Vertriebsnetze haben und mit Präsenztrainings gar nicht alle Mitarbeiter, Partner oder Kunden nachhaltig erreichen können. Der Mittelstand geht sehr pragmatisch und zielorientiert vor. Und wenn die Entscheidung für eLearning gefallen ist, geht die Umsetzung sehr zügig!

Welcher konkrete Bedarf wird am häufigsten artikuliert?

Sünne Eichler: In meinen Beratungsprojekten gibt es vier Schwerpunkte: Zum einen die grundsätzliche Entwicklung und Umsetzung eines eLearning-Konzeptes bzw. Blended Learning-Konzepte für die Organisation. Außerdem wird die Weiterentwicklung bestehender Konzepte gewünscht. Und dann ist der Aufbau eigener Content-Entwicklungs-Teams ein großes Thema, gefolgt von der Einführung, Konzeption und Umsetzung virtueller Klassenräume.

Ist die Beratung zu einem eigenständigen eLearning-Arbeitsfeld herangereift?

Sünne Eichler: Auf jeden Fall! Für viele Unternehmen ist es wichtig, einen produktunabhängigen Berater im Haus zu haben – davon gibt es (noch) nicht viele in Deutschland. Es zahlt sich immer aus, in der Konzeptionsphase von der Erfahrung eines versierten Beraters zu profitieren – langfristig ist es schneller, zielführender und effizienter. Das haben auch die Unternehmen erkannt und nutzen zunehmend Beratungsleistungen. Im Rahmen unseres Master-Studiengangs am Institute for Learning Design + Management an der Steinbeis-Hochschule ist das sogar wichtiger Teil eines der vier Studienschwerpunkte.