Wissenstransfer pur zwischen Boomern und Gen Z
Karlsruhe/Frankfurt a.M., April 2025 - DB Training, Learning & Consulting ist Teil des DB-Konzerns und Anbieter von Qualifizierungs- und Beratungsleistungen im europäischen Mobilitäts- und Logistikmarkt. Seit mehr als 30 Jahren bietet DB Training maßgeschneiderte Qualifizierungen für jährlich rund 290.000 Lernende an. Die Produkt- und Projektmanagerin Julia Hartinger spricht gemeinsam mit Inga Geisler von Human.digital.learning im Rahmen des LEARNTEC Kongresses am Dienstag, den 6. Mai um 15 Uhr darüber "Wie Boomer bis Gen Z nachhaltig zusammen lernen".
Welchen Stellenwert hat gemeinsames Lernen der Generationen in Ihrem Konzern?
Julia Hartinger: Wissensmanagement hat im DB-Konzern eine hohe Wichtigkeit. Ziel ist, mehr und mehr mit- und voneinander zu lernen: z.B. Boomer geben ihr Wissen frühzeitig möglichst nachhaltig und kontinuierlich an jüngere Generationen weiter und nicht erst kurz vor der Rente. So ist gewährleistet, dass das wertvolle Wissen sowie praktische Kompetenzen der Erfahrenen nicht verloren gehen und dem Unternehmen erhalten bleiben.
Ein lernförderliches Arbeitsklima und eine entsprechende Umgebung entstehen nur, wenn das Verständnis füreinander sowie die innere Haltung und das daraus schließende Verhalten untereinander (TR-TN und TN-TN) von allen Beteiligten aufgebracht wird. Als Voraussetzung dafür haben die Lernbegleitenden von DB Training, Learning & Consulting die Aufgabe, die unterschiedlichen Generationen zu sensibilisieren und sie auf die Herausforderung vorzubereiten-
Welchen besonderen Anforderungen müssen Trainings dafür gerecht werden?
Inga Geisler: Damit das Lernen der Generationen mit- und voneinander gelingt, schaffen wir lernförderliche, positive Umgebungen, die Gestaltungsräume bieten und damit individuelles und nachhaltiges Lernen der Teilnehmer:innen ermöglichen.
Voraussetzung dafür sind zum Beispiel:
Moderne Trainingskonzepte, die Aktivierung, Interaktion und Kollaboration der TN ermöglichen und damit Selbsterfahrung und nachhaltiges Lernen fördern. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass besonders das Einräumen von Zeit zum Austausch (nicht nur in den Pausenzeiten) ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist.
Vielseitiges Methodenrepertoire, sodass auch eine größere (Generationen-)Vielfalt gut abgeholt und individuell "bedient" werden kann.
Gut qualifizierte Trainer:innen, die die lernbegleitende Haltung leben und als Vorbild im Umgang mit unterschiedlichen Generationen agieren.
Angemessener Betreuungsschlüssel in Bezug auf das Verhältnis von Lernbegleitenden und Lernenden. Wir arbeiten mit Trainer:innen-Tandems und einer dem Lernkonzept angemessenen max. Teilnehmenden-Zahl. Wenn es organisatorisch möglich ist, achten wir auch hier auf einen Generationenmix.
Welche Rolle spielt individualisiertes Lernen dabei?
Julia Hartinger: Aus unserer Erfahrung macht eine Mischung aus individualisiertem Lernen und das Erleben in der Gruppe den Lernerfolg aus.
Individualisiertes Lernen ermöglicht selbstbestimmtes Lernen (Autonomie), was wiederum ein entscheidender Faktor für die Entstehung intrinsischer Motivation ist. Wer intrinsisch motiviert ist, kann während des Lernens in einen Flow-Zustand kommen. Das ermöglicht Kompetenzerleben, beispielsweise können sich unsere Lernenden im Training oft aussuchen, ob sie eine Aufgabe allein oder in einer Kleingruppe bearbeiten oder welches Thema sie mehr interessiert. Und sie übernehmen schon in der Trainingssituation moderierende Aufgaben, um individuell ihre Kompetenzen zu erproben und zu erweitern.
Für uns bedeutet “individualisiertes Lernen” nicht zwangsläufig, dass Lernende in Einzelarbeit Inhalte bearbeiten. Das kommt vornehmlich nur in vorgeschalteten Selbstlernphasen vor. Vielmehr erleben wir immer wieder, dass die soziale Eingebundenheit eine wichtige Rolle für intrinsische Motivation spielt.
Ebenfalls besagen die Lerntheorien, dass Lernen auf Vorrat nicht allzu sinnvoll und nachhaltig ist. Das wiederum bedeutet, dass wir individualisiertes Lernen nach dem "Pull-Prinzip" fördern z. B. mit Einführung der Lernstation in diesem Jahr, der neuen zentralen Lernerlebnisplattform der DB. Sie stellt sicher, dass Lernende genau das lernen, was sie möchten und brauchen – wann und wo es zu ihnen passt.
Wichtig ist natürlich, dass die Lernenden dafür auch bereit sind: Auch wenn die Theorie korrekt und sinnvoll scheint, sind speziell ältere Lernende damit in ihrer Praxis oft überfordert. Hier ist das "Lern-Mindset" noch stark im "Push-Prinzip" verhaftet. Dies gilt es durch das Erleben von "Neuem Lernen" langsam aufzubrechen.
Hat gemeinsames Lernen von Boomern und Gen Z auch Effekte im Sinn des Wissenstransfers?
Inga Geisler: Das ist Wissenstransfer "pur" und zwar in beide Richtungen. Wenn die Bereitschaft der Boomer da ist, sich weiterzuentwickeln und neuen Herangehensweisen zumindest eine Chance zu geben, profitieren sie sehr von den Ideen der Gen Z. Auch hier ist wieder die Offenheit wichtig, von der erfahrenen Generation lernen zu wollen und dieser mit Respekt gegenüberzutreten. Gerade durch Trainingssituationen kann eine weitere Vernetzung und die Bereitschaft zum Austausch initiiert werden. Denn im Praxisalltag bleibt dafür auf Grund von hoher Arbeitsbelastung oft keine Zeit.
In welchen Themen-/Arbeitsbereichen setzen Sie diese Lernform ein?
Julia Hartinger: Dass Generationen mit- und voneinander lernen, bezeichnen wir nicht als spezielle Lernform. Sie findet bei der DB und auch bei DB Training im Arbeits- und auch Trainingskontext täglich statt. Beispielsweise sind neben den Lernenden auch unsere Lernbegleitenden unterschiedlichen Generationen zugehörig. So kommt meist automatisch eine generationenübergreifende Lerngruppe zu Stande.
Sind Sie mit den Ergebnissen zufrieden?
Inga Geisler: Die Deutsche Bahn beschäftigt sich bereits seit geraumer Zeit intensiv mit dem Thema generationsübergreifendes Lernen – und das nicht nur im Trainingsumfeld. Wir beobachten, dass es wichtig ist, das Thema zu adressieren und dafür zu sensibilisieren. Es ist aus unserer Sicht nicht selbstverständlich, dass Menschen verschiedener Generationen voneinander profitieren – wir fördern dies aktiv. Dabei sind wir auf einem guten Weg.
Vom 6. bis zum 8. Mai trifft sich die E-Learning Community in Karlsruhe: Auf der bedeutendsten europäischen Fachmesse mit Kongress zu digitaler Bildung präsentieren rund 400 internationale Ausstellende und mehr als 600 Speaker die Zukunftstrends der Bildung – neue Tools, AR/VR-Lernerlebnisse, KI-Lösungen und mehr. Seid dabei!