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(Aus)Bildung neu denken. Vom 4.-6. September in Hamburg

Hamburg, Februar 2018 - Der (Aus)Bildungskongress der Bundeswehr an der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg ist ein Fachforum für Bildungsfragen in Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichem Dienst inklusive Bundeswehr, das Interessierten aus allen Bereichen offen steht. Der diesjährige Kongress behandelt den Themenschwerpunkt "(Aus)Bildung neu denken. Auf dem Weg zu einer neuen Ausbildungskultur im Spiegel von beruflicher Identität, künstlicher Intelligenz und Existenzsicherung".

Wie Peter Sloane vor nunmehr fast 20 Jahren feststellte, macht "die Dynamik des ausgehenden 20. Jahrhunderts […] den Wandel zum Regelfall". Megatrends wie Digitalisierung, Globalisierung und Individualisierung treiben Veränderungen und Komplexitätssteigerungsprozesse ständig voran. Wissensbestände, die früher für ein Arbeitsleben reichten, veralten heute durch den technisch induzierten Fortschritt schon nach wenigen Jahren so grundlegend, dass lebenslanges oder – anders formuliert – lebenslängliches Lernen unabdingbar für Beschäftigung und Lebensbewältigung geworden sind. Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sind diesen Veränderungen mit neuen Konzeptionen und Erwartungen begegnet, die vornehmlich auf eine höhere Eigenverantwortlichkeit von Lernen und Bildung im Allgemeinen und für den Wissenserwerb im Besonderen abstellen.

Gleichzeitig verändert die demografische Entwicklung Stück für Stück die "Machtstrukturen" auf dem Arbeitsmarkt. Ein aufwachsend regionaler und domänenspezifischer Fachkräftemangel stärkt die Position gut ausgebildeter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Work-Life-Balance und eine veränderte Rolle des Berufs in den individuellen Zielsystemen wirken sich ebenfalls auf diese Gemengelage aus.
Ausgehend von dieser Analyse stellt sich die Frage, wie Erwartungen, Bedürfnisse, Motivationen und Fähigkeiten der Menschen einerseits und Funktionsanforderungen und Shareholderinteressen auf der Organisationsseite so miteinander in Einklang gebracht werden können, dass betriebswirtschaftliche Funktionalitäten gesichert und volkswirtschaftlicher Wohlstand gewährleistet werden können. Das Zusammenspiel von Wandlungsprozessen, sich ändernden (Lebens-)Werten, Erosion von Arbeitgebermacht und Organisationsinteressen sowie flankierenden, dauerhaften Lernerfordernissen „erzwingt“ ein intensives Nachdenken über ein neues konstruktives Miteinander in Unternehmen und Organisationen. Die Idee einer neuen Lern- und Arbeitskultur steht paradigmatisch für diesen Gedanken.
Sieht man Bildung als Ermöglichung von Teilhabe und mündiger Mitgestaltung der Modi von Aus-, Fort- und Weiterbildung im Sinne einer Lernkultur, so scheint in Zukunft aus Perspektive von Organisationen und Unternehmen besonders eine Ermöglichung und Gestaltung einer zeitgemäßen (Aus)Bildungskultur im Vordergrund zu stehen, welche Mitgestaltung und Teilhabe sowohl durch Lehrende, als auch durch Lernende erfordert und integriert.
(Aus)Bildung und Beruf beeinflussen den Prozess der beruflichen Sozialisation des Individuums, deshalb ist Lern- und (Aus)Bildungskultur ein zentrales Element dieser beruflichen Identitätsentwicklung. Gleichzeitig ist eine Verbindung von beruflicher und persönlicher Identität maßgeblich für berufliches Engagement und berufliche Zufriedenheit. Die Frage nach der Bedeutung der (Aus)Bildung für berufliche Sozialisation und Identitätsbildung beeinflusst zunehmend auch die konzeptuelle und planerische (Aus)Bildungsarbeit der Bundeswehr. So geht es beispielsweise darum, inwiefern das Selbstverständnis, zeitlebens "Lernende / Lernender" zu sein, als notwendige Voraussetzung mit dem "Wandel als Regelfall" gestaltend Schritt halten zu können, heute und künftig für Individuum und Organisation von existenzieller Bedeutung ist und was hierzu (Aus)Bildung beitragen kann und muss.
Angesichts der rasanten Entwicklungsgeschwindigkeit der Gesellschaft und unter dem Einfluss der Digitalisierung finden Individuen im Beruf "mitunter andere Bedingungen [vor], als die, auf die sie durch die berufliche Sozialisation vorbereitet wurden, was Anpassungsprozesse unterschiedlicher Art erforderlich macht". Die Berufswelt ändert sich und Künstliche Intelligenz gewinnt in Zukunft an Einfluss auf die Tätigkeiten und Zuständigkeiten innerhalb von Arbeitsprozessen und des Berufslebens. Es stellt sich die Frage: Wird Künstliche Intelligenz den Menschen zukünftig unterstützen können, indem sie Lücken schließt und Tätigkeiten übernimmt, die nicht (mehr) vom Menschen ausgeübt werden? Oder wird der Einsatz von Assistenzsystemen und Robotik eher als Bedrohung beruflicher Identität und damit des beruflichen Engagements von jenen wahrgenommen, deren Tätigkeitsfelder sich hierdurch verändern werden?

Vom 4. bis 6. September 2018 wird im Rahmen des Kongresses mit Experten und Akteuren aus dem Bildungsbereich ein offener und interdisziplinärer Dialog geführt. Dabei werden Forschungsergebnisse, neue konzeptionelle und technische Entwicklungen und innovative Ideen aus Theorie und Praxis diskutiert. Beiträge hierzu können noch bis 28. Februar als Abstract eingereicht werden.